12 Jahre Haft

Affäre vermutet, dann stach Ehemann 13 Mal zu

Gericht
09.09.2026 14:24

13 Messerstiche in den Rücken – vor den Augen der eigenen Kinder. Ein Fall von erschütternder Brutalität beschäftigte am Mittwoch das Wiener Landesgericht. Einem 46-jährigen Mann wird versuchter Mord vorgeworfen. Das Motiv? Eine angebliche Affäre. Doch genau die soll es nie gegeben haben ...

Es herrscht Stille an diesem Mittwochmorgen im Gerichtssaal. Bis ein Mann mit Handschellengurt vorgeführt wird. Leise kommen die Worte „Grüß Gott“ aus seinem Mund. „Darf meine Familie nicht dabei sein?“, fragt der Angeklagte. Verwundert verneint Frau Rat: „Die sind als Zeugen geladen.“

Brutale Attacke vor Augen der Kinder
Denn was in der Nacht auf den 2. Mai dieses Jahres geschehen war, hatte der Angeklagte vor den Augen seines eigen Fleisch und Blut verübt. Gleich mehrere Male rammte er seiner Ehefrau die Klinge eines Taschenmessers in den Rücken. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Wegen einer Erkrankung musste sich die Ehefrau in Wien behandeln lassen und zog vorübergehend zu ihren studierenden Kindern. Der 46-Jährige vermutete daraufhin, dass sie ihn mit einem anderen Mann betrügt - konkrete Hinweise dafür gab es nicht. Nach einem Streit mit seinen Kindern am Telefon fuhr er nach Wien und versuchte, seine Frau zur sofortigen Heimkehr aufzufordern. 

Was dann passierte, daran will sich der 46-Jährige nicht mehr so genau erinnern. Ihm sei nur ihre „negative Körpersprache“ aufgefallen. „Dann bin ich mit dem Messer auf sie los“, erinnert er sich. Auch in dem Zimmer: Drei, der vier gemeinsamen Kinder. Dass das Opfer noch lebt, sei laut Staatsanwältin vor allem ihnen zu verdanken. Während der 23-jährige Sohn „instinktiv“ handelte und den Vater überwältigte, setzte eine der Schwestern die Rettungskette in Gang. Auch die beiden wurden verletzt. 

Opfer entkam nur knapp dem Tod
Die Ehefrau erlitt eine mehrfache Eröffnung beider Brusthöhlen und eine Beschädigung des Lungengewebes, was zu einer rechtsseitigen Luftbrustfüllung und Einblutungen in die Brusthöhlen führte. Sie konnte nur knapp dem Tod entkommen. 

Straftat
Mordversuch
Strafrahmen
Zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft.
Urteil
12 Jahre Haft
nicht rechtskräftig

Und wie reagierte der Familienvater auf das Geschehene? Erst bei der Polizei wurde er auf das Blut auf seiner Hose aufmerksam – bekam ein „schlechtes Gewissen“. Und die vermeintliche Affäre? „Ich kann nicht beweisen, dass sie es getan hat. Ich kann schwören, dass meine Frau eine saubere ist“. Er habe damals „viele negative Gedanken gehabt“, gab dem Alkohol die Schuld. 

Verteidigerin ortet „emotionale Überforderung“
Laut Gutachten waren Zurechnungs- und Schuldfähigkeit gegeben. Laut Sachverständiger kam es zu einer „Depressiven Reaktion“. Verteidigerin Iris Augendoppler ortete eine „emotionale Überforderung“ des 46-Jährigen und eine „eskalierende Ausnahmesituation“. 

Die Geschworenen zogen sich zur Beratung zurück – schon am frühen Nachmittag gab es ein Urteil: Zwölf Jahre Haft – nicht rechtskräftig. Der Mann akzeptierte das Urteil und entschuldigte sich bei seiner in der ersten Zuschauerreihe sitzenden Familie. 

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