Aus Sicht des früheren deutschen Außenministers Joschka Fischer prägen die Terroranschläge vom 11. September 2001 und ihre Folgen die USA bis heute. „Ohne den langen Einsatz in Afghanistan und vor allem ohne die Verirrung des Irak-Kriegs wäre Donald Trump nicht Präsident geworden“, sagte Fischer, der von 1998 bis 2005 Außenminister war.
Nach den islamistisch motivierten Anschlägen in New York und Washington hatten die USA Afghanistan angegriffen, weil das Land die Terrororganisation Al-Kaida beherbergte, das für die Terrorattacken verantwortlich war. 2003 folgte der Angriff auf den Irak, um den Diktator Saddam Hussein zu stürzen. In beiden Fällen scheiterten die Amerikaner daran, stabile Verhältnisse herzustellen.
„Verstehe Ermüdung der Amerikaner“
Der 78-jährige Fischer sagte dem „Focus“ anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Anschläge, er verstehe „die Ermüdung der amerikanischen Wähler angesichts der endlosen und verlorenen Kriege sehr gut“. „Aber eine Weltmacht kann nicht einfach sagen: ‚Ich habe genug‘, und sich nach Hause verabschieden. Dafür wird sie einen hohen Preis bezahlen – und alle mit ihr, die von ihr abhängen.“
Die Selbstschwächung der USA unter Trump sei absolut nicht absehbar gewesen, sagte der Grünen-Politiker auf die Frage nach der tiefsten Verschiebung seit 9/11. Fischer erklärte, die USA hätten wesentliche Teile ihres Abschreckungspotenzials, aber auch ihrer „Soft Power“ eingebüßt. „Das Vertrauen der Europäer in die USA ist verloren. Und Vertrauen wiederherzustellen, ist unendlich schwierig.“
Anschläge von 2001 hallen bis heute nach
Die Anschläge mit insgesamt 2977 Todesopfern führten den Vereinigten Staaten ihre Verwundbarkeit vor und gingen unter dem Datumskürzel 9/11 in die Geschichte ein. Sie hatten langwierige Folgen: Der damalige US-Präsident George W. Bush führte die USA Ende 2001 in den „Krieg gegen den Terror“ in Afghanistan und marschierte 2003 im Irak ein.
US-Spezialkräfte töteten 2011 Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden. Bis heute sitzen mutmaßliche Hintermänner von 9/11 auf dem US-Militärstützpunkt Guantánamo auf Kuba ein, 2028 soll ihnen der Prozess gemacht werden.
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