Meidling will sich künftig mehr danach richten, was sich seine Bewohner wünschen. Das könnte auch Vorbild für andere Wiener Bezirke werden. Die nun ausgewertete Umfrage zeigt indes zugleich die Grenzen der Lokalpolitik. Lücken bei den Fragen haben für den Bezirkschef ihre guten Gründe.
Wilfried Zankl (SPÖ) freut sich merkbar: Der Meidlinger Bezirkschef hat offenbar selbst nicht erwartet, dass das Resultat einer aufwendigen Umfrage in seinem Bezirk so positiv sein würde. Die Antworten von 1013 freiwilligen Teilnehmern bei der sommerlichen Online-Befragung zeichnen ein sonniges Bild: 90,2 Prozent der 51 abgefragten Themen erhielten ein überwiegend positives Zeugnis.
„Große“ Themen fehlen mit Absicht
Am besten schnitten die Kategorien „Einkauf und Nahversorgung“ (67% positiv), „Kindergärten und Schulen“ (65,7% positiv) und „Wohnen und Wohnumfeld“ (63,2% positiv) ab. Das zeigt allerdings zugleich den Pferdefuß bei der Befragung. Beim Thema Bildung etwa wurde nur die Erreichbarkeit und Auswahl an Schulen und Kindergärten bewertet – Fragen zum Niveau des Unterrichts im Bezirk, in dem sich jede (!) Pflichtschule für den Chancenbonus qualifiziert hat und damit als Brennpunktschule gelten darf, fehlen. Mit Schönfärberei hat das aus Zankls Sicht aber nichts zu tun.
Die Menschen haben genau unterschieden, was funktioniert und was nicht funktioniert. Das verdient eine ebenso genaue Antwort der Politik.

Bezirksvorsteher Wilfried Zankl (SPÖ)
Bild: Eva Manhart
Laut Zankl wollte man als Bezirk nur jene Felder abfragen, bei denen man auch selbst etwas ändern könne, also keine „großen“ Themen wie Integration und Sicherheit, wo Ministerien oder andere übergeordnete Institutionen das Heft in der Hand halten.
Wie die Umfrage in den Alltag einfließen soll
Zankl begründet die Umfrage mit seinem ganz konkreten politischen Alltag: „Wenn ich Sprechstunde habe, sagt mir der eine, dass es mehr Parkplätze braucht, die nächste, dass die Gehsteige breiter sein müssen, der dritte will einen Radweg, und die vierte, dass alles so bleibt, wie es ist – und alle reden von derselben Straße.“ Die Umfrage habe er zur „Gewichtung“ dieser Stimmen durchgeführt, denn Politik bestehe immer aus Kompromissen, „und die können nur gut werden, wenn die Gewichtung stimmt.“
58,6 Prozent der Umfrageteilnehmer fühlen sich in ihrem Wohnumfeld in Meidling sicher, 23,2 Prozent nur zum Teil, und 22 Prozent kaum oder gar nicht.
Diese Gewichtung aus der Umfrage herauszulesen ist bei manchen Themen allerdings schwierig, Beispiel Radwege: Hier zeigten sich rund 40 Prozent mit dem Angebot zufrieden, je 30 Prozent zum Teil, und 30 Prozent überhaupt nicht. Finden diese 30 Prozent nun, dass es noch mehr Radwege braucht, oder dass es schon zu viele davon gibt? Auch Zankl räumt ein, dass der bloße Prozentwert da noch nicht viel sagt. Er verspricht aber, man werde die Antworten noch im Detail auswerten und daraus Schlüsse ziehen.
Bei zwei Dingen sind sich die Meidlinger einig
Ohnehin will sich Zankl aber zuerst auf jene Themen konzentrieren, bei denen die Lage klar ist – denn Einigkeit besteht unter den Meidlingern offenbar vor allem bei zwei Dingen: Es gibt zu wenig öffentliche Toiletten und zu wenig Hitzeschutz, vor allem durch Grünflächen und Bäume. Bemerkenswertes Detail: Auch jene, die sich in der Umfrage strikt gegen den Wegfall von Parkplätzen und Verkehrsflächen aussprechen, fordern mehr Begrünung.
Mehr Grün soll etwa auf die Baumscheiben in der Meidlinger Hauptstraße, in den Christine-Busta-Park und in die Rosasgasse kommen, und zumindest dort auch eine neue öffentliche WC-Anlage, verspricht Zankl.
Solche Dinge sind aus Zankls Sicht keine Kleinigkeiten: „Das, was ich sehe, wenn ich aus der Tür gehe oder wenn ich in einem Park sitze – da hat der Bezirk viel in der Hand“. Zu 50 Prozent entscheide die Bezirkspolitik damit über die Lebensqualität der Bevölkerung, ist er überzeugt, „aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich alles durch die Brille des Bezirksvorstehers sehe“.
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