Dramatische Umfrage

Betriebe zweifeln nicht an sich, aber am System

Innenpolitik
31.08.2026 07:30

Eine neue Umfrage in Betrieben zeigt eine dramatische Kluft: Unternehmen sind mutig, verändern sich, glauben an sich selbst – aber nicht mehr an den Standort, der sie umgibt. Nur mehr 15 von 100 Unternehmen glauben noch an Österreichs Zukunft.

Österreichs Betriebe sind zuversichtlicher und veränderungsbereiter, als es die öffentliche Debatte vermuten lässt. Umso schärfer fällt ihr Urteil über das Land aus, in dem sie wirtschaften. Mehr als jedes zweite Unternehmen (52 Prozent) hält sich selbst für zukunftsfit – aber nur jedes siebte (14,8 Prozent) traut das auch dem Wirtschaftsstandort Österreich zu.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Befragung von 253 österreichischen Unternehmen, 69 Prozent davon Klein- und Mittelbetriebe, durchgeführt im Juli und August von der Initiative „JETZT TUN!“.

Zahlen sind ein Weckruf
„Wenn heimische Betriebe dem eigenen Standort nicht mehr zutrauen, mit dem Wandel Schritt zu halten, wirkt sich das auf Investitionsentscheidungen, Arbeitsplätze und den Wohlstand aller aus. Genau darin liegt die Brisanz der Studie – eine stille Vertrauenskrise, die bisher kaum sichtbar war. Diese Zahlen sind ein Weckruf“, sagt Ruth Moss, Psychologin für Transformation und Zukunftsentwicklung und Gründerin der Initiative „JETZT TUN!“

61 Prozent der befragten Betriebe sehen für die kommenden zehn Jahre mehr Chancen als Risiken, zwei Drittel erleben schon heute einen massiv veränderten Markt. Ihre Skepsis richtet sich gezielt auf jene Rahmenbedingungen, die sie selbst nicht beeinflussen können: Politik, Bürokratie und Standortfaktoren.

Fünf Befunde, die aufhorchen lassen
45 Prozent der Unternehmen erwarten bis 2035 ein grundlegend neues Geschäftsmodell. Damit verbunden rechnen 60 Prozent mit deutlichen und radikalen Änderungen ihrer Organisation. Jedoch nur 38 Prozent wissen bereits, wie ihre Zukunft konkret aussehen soll.

Als wichtigste Treiber werden Digitalisierung (61,6 Prozent), KI (57%) und Regulatorik (51,2%) gesehen. Nachhaltigkeit und Generationenwechsel liegen deutlich dahinter. KI wird vor allem als Produktivitätshebel gesehen (71%), nicht als Jobkiller (Personalabbau: 25 Prozent).

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Der durchschnittliche KI-Reifegrad der österreichischen Wirtschaft liegt bei nur 2,6 von 5 Punkten. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (56 Prozent) befinden sich zwischen Pilotprojekten und beginnender Standardisierung der KI-Anwendung. Lediglich 2,8 Prozent der Unternehmen gelten als „KI-zentriert“. Großunternehmen (Reifegrad 3,19) liegen deutlich vor dem Mittelstand (2,54) – ein KI-Gap, der den gesamten Standort zurückwirft.

Transformation scheitert an Menschen
Transformationsprojekte scheitern am häufigsten an fehlender Einbindung der Mitarbeitenden (38 Prozent), fehlender Führung (35 Prozent) und fehlender Umsetzungsstrategie (34 Prozent) – ein klares Signal an Führungsetagen.

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