Für das Theater war in diesem Sommer Salzburgs Ex-Festspiel-Intendant Markus Hinterhäuser selbst verantwortlich – und er überzeugte (fast) ausschließlich.
Solch ein Theaterprogramm hatte man in Salzburg seit Kritikergedenken nicht gesehen: Bis auf einen Ausreißer war alles geisteshell, unprovinziell, auf Sprache und Schauspielkunst statt auf Dramaturgen-Unfug konzentriert. Robert Carsens weltläufiger „Jedermann“, mit dem Markus Hinterhäuser den Goldesel vom Domplatz 2024 vor dem Verenden rettete, stand traditionell am Beginn. Und auch was man sonst an Theater gesehen hat, plante heuer der Intendant, der sich rechtzeitig von der untauglichen Spartendirektorin getrennt hatte. Behilflich war ihm dabei Karin Bergmann, deren Wahl als Schauspielchefin ihm die verhaltensoriginelle Politik mit Kündigungsfolge verübelt hat. Um sie dann zur Interimsintendantin zu machen!


„Jedermann“ folgte, eine Referenz auf Max Reinhardts Maßstabsetzer anno 1933, der von Ulrich Rasche inszenierte „Faust“. Ein Fest, diesen Königstext der Kulturgeschichte quasi auf Händen getragen zu erleben, Wort für Wort rhythmisiert und ritualisiert, mit den sich auch körperlich verausgabenden Schauspielriesen Valery Tscheplanowa und Steven Scharf. Goethes vernichtenden Sarkasmus vermisste man allerdings etwas inmitten des Hochamts.
Lebendiges Weltkulturerbe
Salzburgs theatrale Uraufführungstradition ist – Bernhard ausgenommen – wenig markant. Umso deutlicher hat Hinterhäuser die Festspiele heuer als österreichisches Weltkulturerbe festgeschrieben. Peter Handkes wundersam abschiedsleichter Text „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ gehörte mit Traumresultat dem hochmusikalischen Regisseur Jossi Wieler und Jens Harzer, einem der größten Sprachvirtuosen der Gegenwart.
In prachtvollem Kontrast dazu glänzte „Unter Tieren“: eine rasierklingenscharfe, doch zuinnerst humane Kapitalismussatire der Nobelpreiskollegin Elfriede Jelinek, von Nicolas Stemann mit tollen Schauspielern auf die Spitze getrieben. Mavie Hörbiger, Caroline Peters und die anderen Kapazunder kann man ab 4. September in der koproduzierenden Burg bewundern, die Karten werden schon rar.
Enttäuschung und Beunruhigung
Bleibt Molières „Menschenfeind“ als lästiger Rückfall ins deutsche Großstadtprovinztheater, von dem man die Festspiele schon befreit glaubte. Ein niederschmetterndes Hip-Hop-Konzert und ein sinnloser KI-Salat, dann lässt Regisseurin Jette Steckel die gut übersetzten Alexandriner dickfellig niederröhren. Die Intendantin des koproduzierenden Hamburger Thalia-Theaters sitzt übrigens in der Findungskommission für Hinterhäusers Nachfolge. Beruhigend ist das nicht.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.