Die Tirolerin Tamara Stocker (33) ist für einen an Leukämie erkrankten Patienten genetisch das „perfekte Match“, was selten vorkommt. In drei Wochen spendet sie ihre Stammzellen. Die größte Stammzelldatenbank in Österreich ist der Dreh- und Angelpunkt zwischen Patienten und Spendern.
Es ist eine Nachricht, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht: Leukämie, auch als Blutkrebs bekannt. Jeden kann es treffen, keiner ist gefeit davor. In Österreich erkranken jährlich hunderte Menschen an dieser Krankheit, weltweit erhält alle 27 Sekunden ein Mensch diese fürchterliche Diagnose. Für viele von ihnen ist eine Stammzellspende die einzige Chance auf Heilung.
Stammzellen sind die „Mutterzellen“ unseres Blutes. Sie sind hauptsächlich im Knochenmark und produzieren ständig neue Blutzellen. Bei Leukämie und anderen Blutkrankheiten ist diese lebensnotwendige Funktion gestört. Bei einer Spende werden die kranken Stammzellen durch gesunde ersetzt. Doch dafür benötigt es einen passenden Spender – einen „genetischen Zwilling“.
Das ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen
Die Tirolerin Tamara Stocker (33) ist für einen erkrankten Menschen tatsächlich „das perfekte Match“. Sie darf ihm Hoffnung auf Heilung schenken. Und das ist keine Selbstverständlichkeit: Bereits unter Blutsverwandten ist es nicht alltäglich, dass die Stammzellen eines Verwandten für eine Spende innerhalb der Familie kompatibel ist.
Noch fordernder ist es, seinen „genetischen Zwilling“ unter Fremden zu finden – das ist dann die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die Wahrscheinlichkeit liegt hier bei 1:300.000 bis zu mehreren Millionen!
„Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich“ ist die größte Stammzelldatenbank im ganzen Land. Es handelt sich um einen gemeinnützigen Verein, der Teil eines globalen Netzwerkes ist. Das jährliche Ziel von 50.000 Typisierungen wurde in diesem Jahr bisher zu 63 Prozent erreicht. In Frage kommen gesunde Menschen zwischen 16 und 45 Jahren (Registrierung), eine Spende ist bis zum 61. Lebensjahr möglich. Direkt auf der Homepage kann man sich als Spender registrieren lassen und erhält ein Typisierungsset per Post. Zudem findet man alle Typisierungsaktionen: www.gebenfuerleben.at
„Einen Wangenabstrich später war alles erledigt“
„Im Juni 2021 habe ich durch puren Zufall von einer Typisierungsaktion in meiner Nähe erfahren. Ich ging hin – und einen Wangenabstrich später war alles erledigt“, erinnert sich die 33-Jährige im „Tiroler Krone“-Gespräch. Nun, fünf Jahre später, bekam sie aus heiterem Himmel eine WhatsApp mit der Information, dass sie als potenzielle Spenderin in Frage kommt. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, habe sofort Gänsehaut bekommen. Zugleich war das alles auch surreal – immerhin ist nur jede 300. Typisierung beim Verein ein Treffer“.
Dann folgte die Bestätigungstypisierung, die ebenfalls positiv verlief. „Bei mehr als 80 Prozent der potenziellen Spender kommt es danach nicht zur tatsächlichen Spende – ich gehöre zu den übrigen 20 Prozent und hatte ein paar Tränen in den Augen.“
Ich habe kein einziges Mal an der Entscheidung, meine Stammzellen zu spenden, gezweifelt.
Die Tirolerin Tamara Stocker (33)
Am 16. September ist es soweit
Und nun? Am Freitag hat die Tirolerin die große Voruntersuchung. „Sobald die endgültige Freigabe vorliegt, kommt der Patient in Behandlung. Er wird bestrahlt und erhält eine hoch dosierte Chemotherapie, an dessen Ende eben die Transplantation erfolgt.“ Am 16. September werden ihr die Stammzellen entnommen. Das bedeutet: „Während dieser rund drei Wochen darf mir nichts passieren, weil der Patient auf meine Spende angewiesen ist – ein Ausfall kann lebensbedrohlich sein. Davor habe ich wirklich extremen Respekt“, verdeutlicht Tamara die Tragweite, und „danach beginnt das große Hoffen und Bangen, ob der Körper des Patienten meine Stammzellen tatsächlich annimmt.“
Ambulante Entnahme dauert 4 bis 6 Stunden
Es gibt zwei Arten der Spende. Bei der 33-Jährigen ist es die „periphere“ Art – eine ambulante Entnahme über die Armvene (ähnlich einer Blutspende), die vier bis sechs Stunden dauert. „Vier Tage vorher muss ich mir täglich zwei Spritzen verabreichen (morgens und abends), um die Vermehrung der Stammzellen anzukurbeln. Es kann dabei zu leichten grippeähnlichen Symptomen kommen.“
Das erfährt die Tirolerin erst im Nachhinein
Wer Tamaras „genetischer Zwilling“ ist und wo er lebt, weiß sie nicht. „Erste Details erfahre ich nach der Spende. In Österreich ist es erlaubt, ab diesem Zeitpunkt anonymisiert Briefkontakt zu halten, wenn beide das möchten.“ Erst nach zwei Jahren darf man gesetzlich alle Daten austauschen.
„Ich habe keine Geschwister. Zu wissen, dass es irgendjemanden auf der Welt gibt, der mir zumindest von der Genetik her sehr ähnlich ist, ist ein besonderes Gefühl“, strahlt die Tirolerin, „ich fühle mich diesem Menschen jetzt schon sehr verbunden“.
Im heurigen Jahr 2026 sind wir bereits bei unglaublichen 31.968 neuen Typisierungen – unser Jahresziel liegt bei 50.000.

Susanne Marosch, Obfrau des Vereins „Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich“
Bild: Matthias Weissengruber
Seit mehr als 27 Jahren engagiert sich der Verein „Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich“ für Menschen, die auf eine lebensrettende Stammzell- oder Knochenmarkspende angewiesen sind. „Unsere Mission ist es, geeignete Stammzellspender zu finden, Typisierungsaktionen zu organisieren und die damit verbundenen Kosten durch Geldspenden zu finanzieren“, erklärt Obfrau Susanne Marosch.
Die Zahlen des Jahresberichtes 2025 sprechen für sich: Es fanden bundesweit 284 durchgeführte Typisierungsaktionen an Schulen, Kasernen, in Betrieben und an öffentlichen sowie privaten Orten statt. Zusätzlich wurden tausende Typisierungssets einfach über die Webseite angefordert. „Insgesamt durften wir im Vorjahr 22.470 neue potenzielle Stammzellspender in unserer Datei begrüßen“, betont Marosch. Heuer steht der Verein bereits jetzt schon bei 31.968!
„Enormer Anstieg im Vergleich zu Jahren davor“
Besonders berührend für die Obfrau ist, dass insgesamt 187 Stammzell- und Knochenmarkspenden tatsächlich vermittelt wurden. Davon entfielen 23 auf Knochenmarkspenden und 139 auf Stammzellspenden. „Im Vergleich zu den Jahren zuvor bedeutet das einen enormen Anstieg und damit zahlreiche neue Hoffnungen für schwerkranke Patienten weltweit“, ist die Obfrau überzeugt.
Jede einzelne Typisierung bedeutet einen großen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Aus diesem Grund ist der Verein auch auf Geldspenden angewiesen. Jeder gespendete Euro fließt 1:1 in die Typisierungen, eine Typisierung kostet 40 Euro. Im Vorjahr wurden zwölf Benefizveranstaltungen, 46 Firmenaktionen, 70 Schultypisierungen und 56 Scheckübergaben realisiert.
Die Stammzellspende ist ein sicheres, etabliertes Verfahren. Der Körper regeneriert die Stammzellen nach einer Spende innerhalb von zwei bis vier Wochen vollständig. Und es gibt eine medizinische Überwachung vor, während und nach der Spende.
Vier Kliniken in Wien, Graz, München und Ulm übernehmen die medizinische Betreuung der Stammzellspender. Die komplette Betreuung bis zur Entnahme läuft über „Geben für Leben“. Auch sämtliche Kosten, die für den Spender samt Begleitperson anfallen, werden vom Verein übernommen. Erst die Stammzellentnahme wird durch die Klinik durchgeführt.
Alle heurigen Aktionen auf einen Blick
Auch in Tirol organisiert das Team rund um „Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich“ regelmäßig Typisierungsaktionen. Die kommenden Termine lauten:
26. Oktober von 10 bis 15 Uhr im Zuge der Frauengesundheitsstraße des Landes Tirol beim Eduard-Wallnöfer-Platz in Innsbruck.
„Wir freuen uns über jeden einzelnen, der dabei ist und sich typisieren lässt“, betont Marosch.
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