Schon schräg: Alice Weidel führt die – zumindest in den Umfragen – stärkste Partei Deutschlands, die AfD. Privat lebt sie in einer lesbischen Beziehung in der Schweiz. Und in der österreichischen Bundeshauptstadt stellte sie sich dieser Tage dem deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk für ein Sommergespräch. Der Anlass ihres Wien-Besuchs: von den Freiheitlichen lernen.
EINERSEITS mag man es ja erfreulich finden, dass da einmal nicht die „Piefkes“ den „Ösis“ zeigen, wo’s langgeht, sondern umgekehrt selbst Rat im kleinen Österreich suchen.
ANDERERSEITS könnte das für die einigermaßen zielstrebig auf Regierungsverantwortung zustrebende FPÖ auch ein zweischneidiges Schwert sein. Die Titulierung der AfD als „Schwesterpartei“ impliziert nämlich im landläufigen Verständnis auch weitgehende Übereinstimmung bei den politischen Zielen. Und da hat Weidel in ihrem Wiener Interview mit der Forderung nach einem Austritt aus dem Euro- wie auch aus dem Schengenraum faktisch den „Dexit“ – und damit wohl das faktische Ende der europäischen Integration – in den Raum gestellt. Und genau das hat die FPÖ weder programmatisch noch in ihrer realen Politik jemals angestrebt.
Nun steht die Nähe zwischen FPÖ und der AfD in vielen zentralen Punkten, etwa der Migrationspolitik und der Kritik am „woken“ Zeitgeist, außer Frage. In manch anderen Bereichen aber ist sie höchstens die politische Stiefschwester der Freiheitlichen.
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