„Angegriffen worden“

Zölle: Carney wirft Trump jetzt Handelskrieg vor

Außenpolitik
22.08.2026 20:33
Porträt von krone.at
Von krone.at

Verhärtete Fronten im Handelsstreit zwischen den USA und Kanada: Nach dem Scheitern von Verhandlungen hat Kanadas Premierminister Mark Carney US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, einen Handelskrieg losgetreten zu haben.

„Man befindet sich im Krieg, wenn man angegriffen wird. Wir sind angegriffen worden. Wir können das, was sie angeboten haben, nicht akzeptieren, und wir werden ihnen nicht geben, was sie verlangt haben“, sagte der Politiker weiter. Er habe die Unterhändlerinnen und Unterhändler angewiesen, nach Ottawa zurückzukehren. Die kurzfristigen Änderungen an den von den USA vorgeschlagenen Bedingungen seien unfair und wirtschaftlich nicht tragfähig gewesen. 

Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer bestätigte das Scheitern der Verhandlungen. Kanada habe es abgelehnt, das Abkommen zu den vereinbarten Bedingungen abzuschließen, sagte er. Neue Forderungen des Nachbarlands hätten das erzielte Gleichgewicht ins Wanken gebracht. In der Nacht auf Samstag lief eine von Trump gesetzte Frist aus. Daraufhin kündigte das Weiße Haus neue US-Zölle auf kanadische Importe an. Dazu zählen etwa Wein, Milchprodukte, Möbel und Hockeyschläger. Die Zölle betreffen Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 17 Milliarden Euro) und sind bereits in Kraft getreten.

Von links: Mark Carney und Donald Trump (Archivbild)
Von links: Mark Carney und Donald Trump (Archivbild)(Bild: AP/Adrian Wyld)

Gegenzölle kommen im September
Doch damit ist der Handelsstreit nicht beendet. Die kanadischen Gegenzölle sollen ab dem 8. September gelten und Produkte wie Stahl, landwirtschaftliche Ausrüstung, Zellstoff, Papier und Elektronik umfassen, wie Carney ankündigte. „Kanada wird die neuen Zölle aus Washington Dollar für Dollar erwidern, um kanadische Arbeitnehmer, Landwirte, Familien und Unternehmen zu schützen.“ Zudem soll es Unterstützung für Unternehmen geben, die von den zusätzlichen Zöllen betroffen sind.

Laut Berichten hatten Unterhändlerinnen und Unterhändler beider Länder bis zum letzten Moment verhandelt. Laut einer Erklärung aus dem Weißen Haus vom Juli reagieren die USA „auf Kanadas diskriminierende Behandlung amerikanischer Produkte“. Genannt wurden etwa Autos, Alkohol und Milchprodukte. Insgesamt importierten die USA im Jahr 2025 Waren im Wert von 383 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 330 Milliarden Euro) aus Kanada. Dies ist mit 5,5 Prozent der kanadischen Exporte ein verhältnismäßig kleiner Teil. Doch erstmals hat Washington auch Waren ins Visier genommen, die unter das nordamerikanische Freihandelsabkommen fallen. Umgekehrt gehen rund 70 Prozent aller Importe Kanadas in die Vereinigten Staaten.

Beziehungen verschlechtert
Die Beziehungen zwischen Kanada und den USA haben sich seit Trumps Amtsantritt deutlich verschlechtert. Auslöser sind unter anderem bereits verhängte Zusatzzölle, wiederholte Drohungen des US-Präsidenten gegen Kanada sowie seine mehrfach geäußerte Idee, das Nachbarland zum 51. Bundesstaat der Vereinigten Staaten zu machen. Als Reaktion auf die US-Zölle entfernten viele kanadische Provinzen etwa Alkohol aus den Vereinigten Staaten aus Verkaufsregalen und riefen die Bevölkerung zum Kauf heimischer Produkte auf.

Am Mittwoch sagte Trump noch, dass sich beide Seiten auf ein Abkommen geeinigt hätten. Später ruderte er zurück. Nun wurde bestätigt, dass es keine Einigung im Handelsstreit gibt.

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