Eine Lebensrückschau

Freddie Mercury: Eine Legende wäre heute 80

Musik
05.09.2026 00:56

Am 5. September wäre Queen-Legende Freddie Mercury 80 Jahre alt geworden. Wie kein Zweiter prägte er das Rock- und Pop-Business der 70er- und 80er-Jahre und den Stil darüber hinaus. Was von ihm blieb, ist genauso viel, wie früher einmal da war. Wir blicken auf ein einzigartiges Leben zurück und welche wichtige Rolle eine österreichische Schauspielerin spielte.

kmm

„Larger than Life“, also „größer als das Leben“ wollen viele sein, aber nur den allerwenigsten gebührt diese Zuschreibung. Queen-Sänger Freddie Mercury, am 5. September würde er seinen 80. Geburtstag feiern, gilt vielen als beste und wichtigste Stimme der Rockhistorie und hat diese Adelung definitiv verdient. Der als Farrokh Bulsara im Sultanat Sansibar geborene Vollblutmusiker prägte die Welt in vielerlei Hinsicht.

Er war mit einer vier Oktaven umfassenden Stimmlage gesegnet, neben Gitarrist Brian May der Hauptkomponist der welt-erfolgreichen Rockband Queen und zudem bereits ab den späteren 70er-Jahren eine frühe Ikone der aufkommenden Schwulenbewegung. Mercury war ein geborener Performer mit einem überbordenden Hang zu Exzentrik und Theatralik. Seine Bühnenperformance war eine Mischung aus Ballett, Hochleistungssport und ausuferndem Hedonismus.

Dekadenz und das Leben hinter der Fassade
Die Dekadenz war nicht nur auf der Bühne und im Bandkontext ein wichtiger Grundstein seines exaltierten Lebens. Frei nach dem Motto „Fuck the cost, let’s live a little“ stehen seine Partys bis heute als Inbegriff der ausufernden 80er-Jahre. Anlässlich der Veröffentlichung des Queen-Albums „Jazz“ (1978) schmiss er im Fairmont Hotel von New Orleans eine Party mit nackten Kellnern, Schlamm-Wrestling und kleinwüchsigen Personen, die auf Tabletts Kokain auf ihren Köpfen balancierten.

John Deacon, Freddie Mercury, Roger Taylor und Brian May schrieben mit Queen Musikgeschichte.
John Deacon, Freddie Mercury, Roger Taylor und Brian May schrieben mit Queen Musikgeschichte.(Bild: APA/APA / AFP / Press Association)

Besonders wild ging es in seinen München-Jahren ab. Legendär etwa sein „Black And White Drag Ball“ 1985 zu seinem 39. Geburtstag. Teile der Feier flossen dann ins Musikvideo zu seinem Song „Living On My Own“ ein. Hinter der glitzernd-leuchtenden Fassade befand sich aber ein emotionaler, liebevoller und aufmerksamer Mensch mit vielen Unsicherheiten, der seinen Katzen mehr vertraute als den meisten Menschen in seinem Umfeld und der Sorgen, Leiden und Nöte geschickt in seine Songs knüpfte.

Die Frauen in seinem Leben
Zu seinen wichtigsten Vertrauenspersonen gehörten Mary Austin, seine „Love of my Life“ und ehemalige Verlobte, und sein letzter Lebenspartner Jim Hutton, der nach den exzentrischen München-Jahren von 1985 bis zu Freddies Tod in seinem Haus in London 1991 nicht von seiner Seite wich. In München war die österreichische Schauspielerin Barbara Valentin die vielleicht wichtigste Bezugsperson. Die Beziehung soll rein platonisch und auf emotionaler Freundschaftsebene stattgefunden haben.

Im von den Queen-Musikern Brian May und Roger Taylor produzierten Biopic „Bohemian Rhapsody“ mit Rami Malek in der Rolle von Mercury wird dies, wie auch viele andere Details seiner auch vorhandenen düsteren Seite ausgespart. So versuchte er stets seine Herkunft zu verstecken, um in der britischen Rock-Welt leichter Fuß zu fassen. Seine Bisexualität führte zu einer andauernden, inneren Zerrissenheit und quälenden Konflikten mit sich selbst.

Rami Malek spielte Freddie Mercury im Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“ mit Inbrunst.
Rami Malek spielte Freddie Mercury im Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“ mit Inbrunst.(Bild: Alex Bailey)

Ständige Ambivalenz
Schlussendlich 1987 erfuhr Mercury, dass er HIV-positiv sei, hielt die AIDS-Erkrankung aber lange geheim – nicht nur vor der Öffentlichkeit, sondern auch vor seinem engsten Kreis an Menschen. Diese ständige Ambivalenz des Seins machte Mercury zeit seines Lebens zu einer beliebten und liebevollen, aber auch umstrittenen und zuweilen mystischen Persönlichkeit. Die Erinnerung an den nur 1,74 Meter großen Musikriesen ist bei so gut wie allen ehemaligen Wegbegleitern uneingeschränkt positiv.

Nach Freddies AIDS-Tod am 24.11.1991 daheim in Kensington, London, stürzte sein Bandkollege und Gitarrist May gar in eine tiefe Depression und trug eine Zeit lang ernsthaft Suizidgedanken mit ihm spazieren. „Freddie war in meinem Leben ständig präsent“, gab May später bekannt, „ich erinnere mich an seinen unbändigen Mut, das gänzliche Fehlen von Selbstmitleid und einen unermüdlichen, musikalischen Wahn, bis zu den letzten Tagen seines Lebens akribisch und hart an Musik zu arbeiten.“

Freddie Mercury im Jänner 1979 beim Auftakt der Deutschland-Tournee in Hamburg
Freddie Mercury im Jänner 1979 beim Auftakt der Deutschland-Tournee in Hamburg(Bild: APA/dpa/Werner Baum)

In der Musik lag Freddies ganz Kraft. So sehr er das Publikum zu dirigieren wusste (etwa beim unvergesslichen Live-Aid-Auftritt 1985 im Londoner Wembley-Stadion, als Queen die gesamte Konkurrenz mühelos an die Wand spielte), verstand sich Mercury aber auch immer als Diener des Publikums. Scherzhaft beschrieb er sich selbst gerne als „musikalische Prostituierte“ was angesichts seines künstlerischen Genies fast schon absurd anmutet. Als Songwriter ist Mercury für unsterbliche Songs wie „Crazy Little Thing Called Love“, „Don’t Stop Me Now“, „Killer Queen“ oder die Rock-Oper „Bohemian Rhapsody“ verantwortlich. Letztere Nummer gilt vielen als wichtigster Song der Rock-Historie.

Legende, nicht Rockstar
„Ich will kein Rockstar sein. Ich will eine Legende werden“, tat Mercury einst gewohnt frech kund und konnte trotz aller Verdienste unmöglich ahnen, dass dieses hehre Vorhaben zur Realität werden sollte.

Auch wenn sein Leben mit erst 45 Jahren ein tragisches Ende finden sollte, wirkt er heute nicht nur dank der Verfilmung und des endlosen Queen-Hypes lebendiger als je zuvor.

Ob rockend mit seiner Band Queen, opernhaft mit Diva Montserrat Caballé oder eine Zeit lang ganz dem Disco-Sound verhaftet – was Freddie berührte, wurde zu Gold. Auch zum 80er am 5. September ist sein Vermächtnis größer als sein Leben.

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