Ungewöhnliche Einsätze

Klettern ist ihr Job: „Ich habe keine Angst“

Oberösterreich
30.08.2026 12:00

Sogenannte Industriekletterer werden überall dort zu Einsätzen gerufen, wo niemand sonst hinkommt. Sie arbeiten mitunter in Hunderten Metern Höhe. Das führt auch zu ungewöhnlichen Aufträgen – die „Krone“ begleitete die Kletterer.

„Ich habe keine Angst, aber Respekt. Und zwar jedes Mal, wenn ich bei einem Hochhaus über die Kante steige“, sagt Jasmin Landertshammer. Kein Wunder: Wenn sie an Fassaden und Türmen arbeitet, hängt ihr Leben wortwörtlich an nur einem Seil. „Es ist wichtig, auch beim Partner zu schauen, ob alles richtig eingehängt ist“, sagt sie. „Sonst kann das fatal enden.“

Landertshammer ist selbstständige Industriekletterin. Sie arbeitet oft in lichten Höhen – „der höchste Einsatz war auf rund 200 Metern auf einem Antennenturm“, erzählt sie -, jedenfalls aber überall dort, wo keine Gerüste oder Kräne verwendet werden. Der Beruf ist in Österreich ein freies Gewerbe. Der Job des Industriekletterers ist vielfältig: Das Reinigen von Fassaden zählt ebenso zum Aufgabenbereich wie Montage-, Instandsetzungs- und Dachdeckerarbeiten oder sogar die Pflege von Bäumen.

Beim „Krone“-Besuch montiert Jasmin Landertshammer eine Pflanzeninstallation in einem ...
Beim „Krone“-Besuch montiert Jasmin Landertshammer eine Pflanzeninstallation in einem Stiegenhaus.(Bild: Markus Wenzel)

Kletterer fischten Metall aus Zuckerbehälter
Eines der größten Unternehmen der Branche ist die Firma Zweiseil in Linz, für die auch Landertshammer öfter Aufträge erledigt. Geschäftsführer Felix Steinmassl koordiniert darüber hinaus rund 20 fest angestellte Mitarbeiter.

Kletterin Jasmin Landertshammer, Geschäftsführer Felix Steinmassl (M.) und Kletterer Armin ...
Kletterin Jasmin Landertshammer, Geschäftsführer Felix Steinmassl (M.) und Kletterer Armin Müller(Bild: Markus Wenzel)

„Unsere Hauptkunden sind Wohnungsgenossenschaften, aber auch viele aus der Industrie“, sagt Steinmassl. Ein Beispiel: Die Industriekletterer seiner Firma reinigten vor der Eröffnung die Glasfassade des 109 Meter hohen Quadrill Towers in Linz. Doch auch zu „Notfall-Einsätzen“ werden die Spezialisten gerufen: „Bei einem Süßwarenhersteller ist einmal an einem Samstagvormittag eine Metallplatte in den Zuckerbehälter gefallen. Die haben wir herausgeholt“, erzählt Steinmassl.

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Ich bekomme jede Woche drei bis fünf Initiativbewerbungen.

Felix Steinmassl, Geschäftsführer von Zweiseil

Vom Höhlenforschen zum Klettern von Berufswegen
Der außergewöhnliche Beruf – er vereint sportliches wie handwerkliches Geschick – ist jedenfalls beliebt: „Ich bekomme jede Woche drei bis fünf Initiativbewerbungen“, sagt Geschäftsführer Steinmassl.

Jasmin Landertshammer hat über Umwege zu ihrem Job gefunden: „Ich bin zufällig zu meinem Hobby Höhlenforschen gekommen“, sagt sie. „Dort ist die Seiltechnik sehr ähnlich“ – und so war der Weg zum Industrieklettern geebnet. „Ich schätze die Abwechslung an meinem Beruf. Kein Tag ist wie der andere.“

Die „Krone“ porträtiert seltene Berufe. Der sechste und letzte Teil der Serie stellt den Job des Industriekletterers vor.

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