Röchelnde Hunde, extrem kurze Schnauzen und übermäßige Hautfalten: „Vier Pfoten“ erhebt nach der internationalen Hundeschau in Tulln (NÖ) schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter. Schon im Vorjahr hatte es Kritik gegeben. Damals verwies der Verband auf strenge Kontrollen.
Mehrere Tausend Hunde nahmen am Wochenende an der internationalen Hundeschau in Tulln teil. Doch was dort präsentiert wurde, sorgt nun für heftige Kritik: Mitarbeiterinnen der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ berichten von zahlreichen Tieren mit Merkmalen, die ihre Gesundheit beeinträchtigen können.
„Was wir zu sehen bekamen, war wirklich verstörend, darunter röchelnde Hunde mit praktisch nicht existenten Schnauzen“, erklärt Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck. Auch extrem kurze oder gebogene Beine, fehlende beziehungsweise zu kurze Ruten und übermäßige Hautfalten seien aufgefallen. Hinzu kämen Augenlider, die nicht vollständig schließen können oder sich einrollen.
Dieser Wahnsinn muss endlich aufhören.
Veronika Weissenböck von „Vier Pfoten“
Tierschützer nehmen Veranstalter in die Pflicht
Die Organisation kritisiert den Österreichischen Kynologenverband (ÖKV) als Veranstalter scharf. Gerade dieser müsse ein Interesse daran haben, gesunde Tiere auszustellen, betont Weissenböck.
Die Folgen problematischer Zuchtmerkmale treffen laut „Vier Pfoten“ auch die Besitzer: Sie müssten mit hohen Tierarztkosten rechnen und mitansehen, wie ihre Hunde leiden. „Dieser Wahnsinn muss endlich aufhören“, fordert die Kampagnenleiterin.
Schon im Vorjahr gab es schwere Vorwürfe
Die Diskussion ist nicht neu. Bereits nach der Tullner Hundeschau 2025 hatte der Verein „RespekTiere“ Vorwürfe erhoben und den Veranstalter angezeigt. Der ÖKV wies die Kritik damals zurück. „Die bloße Sichtung solcher Hunderassen bedeutet nicht, dass es sich automatisch um Qualzuchten handelt“, erklärte Büroleiterin Alexandra Messner damals gegenüber der „Krone“.
Entscheidend sei der individuelle Gesundheitszustand. Nur nachweislich gesunde Hunde seien teilnahmeberechtigt. Sie verwies auf sieben Tierärzte vor Ort und speziell geschulte Richter. Diese Stellungnahme bezog sich auf die Veranstaltung im Vorjahr.
Forderung vor großer Schau im Mai
„Vier Pfoten“ richtet sich nun auch an Niederösterreichs Tierschutzlandesrätin Susanne Rosenkranz. Bis zur World Dog Show im Mai 2027 in Tulln, bei der noch mehr Tiere erwartet werden, brauche es klare, messbare und rechtlich verbindliche Kriterien. Anhand dieser müsse vor Ort eindeutig festgestellt werden können, ob ein Hund wegen Qualzuchtmerkmalen nicht ausgestellt werden darf.
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