Comeback mit Album

Zeronic: „Aufwand und Energie sind bei uns hoch“

Musik
05.10.2026 08:36

Mehr als ein Jahrzehnt hat man nichts mehr von Zeronic, der Synthie-Indiepop-Band aus dem Burgenland, gehört, doch jetzt feiert Mastermind Mik Tanczos mit seinen beiden Kollegen von damals ein Comeback samt des neuen Albums „Modernism (Commitment)“. Im „Krone“-Talk gibt er uns tiefere Einblicke in eine Rückkehr, die so nie geplant war.

kmm

Kommendes Jahr werden die Crossover-Legenden Faith No More rund um Kultsänger Mike Patton das Nova Rock headlinen, einer ihrer bekanntesten Songs nennt sich „Midlife Crisis“. Ob dieser Zustand möglicherweise dafür sorgte, dass die Burgenländer von Zeronic nach mehr als einer Dekade Abwesenheit mit neuem Album „Modernism (Commitment)“ und Live-Shows auf die heimische Bildfläche zurückkehren, verneint Frontmann und Mastermind Mik Tanczos im „Krone“-Interview lächelnd. „Die haben wir schon mit Anfang 30 hinter uns gebracht.“ Es liegt eher daran, dass das Trio wieder die pure Lust am Musizieren verspürte. „Die Grundidee war, gemeinsam das zu machen, was man früher gerne gemacht hat und wofür man auch ein bisschen lebt. Wir alle drei waren immer sehr gut miteinander befreundet und die Band wiederzubeleben war eine schöne Idee, wieder mehr Zeit miteinander zu verbringen.

Wir sind müde geworden
Kurze Rückblende. Mitte der 90er-Jahre findet sich die Band im Osten Österreichs – damals noch mit anderer Besetzung – zusammen, um mit einer Mischung aus Alternative- und Indie-Rock mit eigenen Songs den großen Helden nachzueifern, die zu einem großen Teil aus London oder New York gekommen sind. Die beiden ersten Alben „High Life“ (2001) und „Feel The Nothing“ (2003) wurden nicht nur für den Amadeus nominiert, sondern überzeugten mit ihrer Mischung aus schneidenden Gitarren und dem Einsatz eines Synthesizers, das man an die 80er-Jahre angelehnte Sounds locker in die 2000er-Jahre übertragen konnte. Man spielte als Vorband von New Order und den Queens Of The Stone Age und wurde für drei Gigs nach London eingeladen, was Tanczos noch immer als einen der Höhepunkte der Band sieht. Weitere zwei wesentlich erfolglosere Alben später lief die Band ab Ende 2012 schlichtweg aus. „Wir sind müde geworden und es tröpfelte langsam aus. Irgendwann ist die Luft draußen und man kriegt gar nicht so stark mit, dass man nichts mehr für die Band tut.“

Mik Tanczos im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein
Mik Tanczos im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein(Bild: Eva Manhart)

Tanczos probierte es semierfolgreich mit einer Soloplatte, bis eine Anfrage des kultigen burgenländischen Festivals Picture On des Weges kam und eine Rückkehr nach mehr als zehn Jahren greifbar wurde. „Ich habe mit den Jungs geredet und wir waren uns schnell alle einig, dass wir keine reine Nostalgieshow aufs Parkett legen, sondern mit neuem Material aufwarten. Im Juni 2025 stehen Tanczos, Drummer Paul Palermo und Gitarrist Rainer Kossits endlich wieder gemeinsam im Proberaum und aus den ungefähr 30 Songideen finden derer zehn einen Platz am neuen Album. Tanczos legt großen Wert darauf zu betonen, dass die Songs alle neu von der Band verfasst wurden und er das alte Material bewusst beiseiteschob. „Es ist auch für uns wichtig zu zeigen, wo wir nachlanger Pause stehen. Das Album ist wieder wesentlich rockiger und gitarrenlastiger ausgefallen. Wir gehen damit den Weg der beiden ersten Alben weiter – in der Jetztzeit.“

Ein ernsthaftes Projekt
Neben dem fehlenden Drive auf die Band war auch das Leben selbst ein elementarer Grund, dass man jahrelang nichts mehr sah und hörte. „Die Lebensläufe von uns drei gingen weit auseinander“, resümiert Tanczos weiter, „dazwischen hätte die Band gar nicht funktioniert. Die Energie und die Freude am gemeinsamen Tun war sofort da und live haben wir schnell gemerkt, dass das auch mit dem Publikum perfekt funktioniert.“ Eine Rückschau ist bei einer Reunion natürlich logisch. „Wir haben damals alles gespielt. Frequency, Nova Rock, das Donauinselfest. Highlights waren sicher die Auftritte in London. Mit unserer im Vergleich dünnen Produktion waren dort alle glücklich. Für unsere Verhältnisse waren wir schon über alles hinaus, was wir vorhatten. Wir hätten nie gedacht, dass wir so weit kommen würden.“ Als eine gemütliche Freundschaftsgeschichte will Tanczos die Rückkehr aber nicht sehen. „Dafür nehmen wir das alles viel zu ernst. Aufwand und Energie sind hoch. Wir werden zwar weiterhin keine Mehrzweckhallen füllen, aber wollen die Leute erreichen, die sich für Musik interessieren.“

Grobkonzeptionell geht es um die aktuelle Diskussion zwischen Menschen und Technilk. „Was macht der Fortschritt mit uns Menschen und unseren Verbindungen mit anderen? Lebensabläufe werden permanent optimiert und das Album ist ein kleiner Hinweis darauf, in welche Richtung es gehen könnte. „Es stecken eine gewisse Widersprüchlichkeit und Ambivalenz im Titel. Wir haben inhaltlich ein sehr breites Spannungsfeld, aber die Gitarren haben wieder die Oberhand.“ Ist digital also alles besser, wie Tocotronic einst gesungen haben? „Das war 1994 oder?“, lacht Tanczos, „nein wir versuchen, unsere Stärken zu bündeln. Damals und heute.“ Crossover im Real Life und in den 2020er-Jahren. „Viele Songs von damals kann ich nicht mehr spielen oder singen, weil sie heute nicht mehr reinpassen. Dafür gibt es jetzt andere, neue. Die Themen sind selbst erlebt oder beobachtet, so wie ich das schon immer mache. Für den Hörer muss es am Ende auch noch genügend Interpretationsspielraum geben.“ Zum Grundthema gehören freilich veränderte Hörgewohnheiten die man am eigenen Leib verspürt. „Wir haben Hörer in Mexiko, Brasilien und Japan, das haben wir nur dem Internet zu verdanken. Als Band starten wir aber bei null. Bei all den Algorithmen sind wir überall außen vor und können nur hoffen, dass wir gut platziert werden.

Album-Release-Show in Wien
Am 15. Oktober spielen Zeronic eine Album-Veröffentlichungs-Show in der Wiener Arena. Dort werden Hits und neue Songs von „Modernism (Commitment)“ kombiniert, sodass man in alle Phasen von mir eintauchen dann doch wieder?“ unter www.oeticket.com gibt es jedenfalls noch Karten für das Arena-Show.

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