Russische Unternehmen und andere Geldgeber haben seit Jahresbeginn Milliarden in die Staatskasse eingezahlt. Allein bis Mitte August sollen freiwillige Abgaben umgerechnet rund 3,9 Milliarden Euro eingebracht haben – deutlich mehr als ursprünglich erwartet. Das berichtet die russische Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ unter Berufung auf das Finanzministerium.
Insgesamt seien bis Mitte August 383,69 Milliarden Rubel an freiwilligen Abgaben in den russischen Haushalt geflossen. Damit sei bereits rund eineinhalb Mal so viel zusammengekommen wie im gesamten Jahr 2025. Die Summe habe alle Erwartungen übertroffen, berichtete „Wedomosti“.
Der Großteil des Geldes sei nach einem Aufruf im März eingegangen, Unternehmer sollten sich mit freiwilligen Zahlungen am Staatshaushalt beteiligen. Nach Angaben von Alexander Schochin, dem Chef des russischen Industriellen- und Unternehmerverbandes, kommen dafür nicht nur große Konzerne infrage.
Auch Einzelpersonen sowie Unternehmens- und Familienstiftungen könnten solche Zahlungen leisten. Über die Höhe der jeweiligen Abgabe entscheide jeder Großspender selbst – abhängig von der eigenen finanziellen Situation, erklärte Schochin gegenüber der Zeitung.
Wofür das Geld verwendet wird, ist unklar
Wofür die nun eingezahlten Milliarden konkret verwendet werden, ist laut dem Bericht nicht klar. Russland kämpft allerdings mit einem hohen Haushaltsdefizit. Grund dafür sind unter anderem die stark gestiegenen Ausgaben für den seit 2022 andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Zusätzliche Einnahmen könnten im Herbst folgen. Laut „Wedomosti“ erwägt die russische Regierung eine Übergewinnsteuer für den Finanzsektor. Dabei würde es sich um eine Sondersteuer auf Unternehmensgewinne handeln. Bereits zuvor hatte Präsident Wladimir Putin die Einkommensteuer und die Mehrwertsteuer erhöhen lassen.
Aufruf zu Spenden für den Krieg
Im März hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow Berichte zurückgewiesen, wonach Putin bei einer Sitzung des Unternehmer- und Industriellenverbandes persönlich um Geld für den Staat gebeten habe. Nach seiner Darstellung sei die Initiative vielmehr von einem Geschäftsmann ausgegangen. Putin habe diese begrüßt.
Das unabhängige Portal „The Bell“ berichtete dagegen, Putin habe bei der Sitzung hinter verschlossenen Türen erklärt, Russland werde weiterkämpfen und die gesamte Donbassregion erobern. Anschließend soll Putins Vertrauter Igor Setschin, Chef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft, zu Spenden für den Krieg aufgerufen haben.
Von Kriegszielen noch weit entfernt
Russland hatte im Februar 2022 den großangelegten Angriff auf die Ukraine begonnen. Die vom Kreml gesetzten Kriegsziele sind bislang nicht erreicht. Gleichzeitig fließen zunehmend hohe Summen in Militär, Sicherheitsapparat und Rüstung. Die russische Wirtschaft steht zudem unter dem Druck westlicher Sanktionen und kämpft zunehmend mit Problemen.
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