Plötzlich wie Ganove

Das Doppelleben des Sportgeschäft-Leiters

Tirol
05.10.2026 19:30

Ein Sportgeschäft im Tiroler Unterland sah der Leiter (37) offenbar als einen Selbstbedienungsladen. Betrug und Veruntreuung führten zu immensem Schaden, die Malversationen begannen aus heiterem Himmel. Beim fortgesetzten Prozess in Innsbruck setzte es nun eine Haftstrafe.

Bis Jänner 2023 leitete der Angeklagte im Geschäft bzw. Verleih tadellose Arbeit. Was dann passierte, blieb auch beim Prozess im Dunkeln. Waren es etwa Spielsucht oder Schulden, wie nicht selten in solchen Fällen? Das wäre reine Spekulation.

„Fest steht, dass der Alleingesellschafter feststellte, dass 261.000 Euro an Waren und 115.000 Euro aus der Kassa fehlten“, erläuterte die Staatsanwältin. Mit einem „mörderischen Aufwand“ sei es dem Chef (und in der Folge der Polizei und dem Gericht) gelungen, die Hintergründe herauszufinden. „Der Angeklagte reagierte dabei nur hinhaltend“, ergänzte die Anklägerin.

Erklärung: „Das ganze Geld für Schwarzzahlungen verwendet“
Aber er ließ eine weitere Bombe platzen: Das viele Geld, so seine Schilderungen, habe er ausschließlich für Schwarzzahlungen an die Mitarbeiter verwendet – und zwar mit dem Wissen des Eigentümers (der dies in der Folge heftigst bestritt). Tatsächlich aber wurden derartige Tricksereien bei den Gehältern aufgedeckt. „Aber bei weitem nicht die ganze angeklagte Summe wurde dafür verwendet, sondern etwa 150.000 Euro und nicht mehr. Wo ist die Differenz geblieben?“, fragte die Staatsanwältin.

Der Prozess fand am Landesgericht Innsbruck statt.
Der Prozess fand am Landesgericht Innsbruck statt.(Bild: Christof Birbaumer)

Von Rädern bis zur nicht bezahlten Pizza
Übrig blieb eine Liste an Betrügereien bzw. Veruntreuungen, die der Schöffensenat als erwiesen sah: 125.000 Euro an Erlösen behielt der Mann demnach für sich. Ein Geschäftspartner vermisste letztlich 30 Räder, er schilderte als Zeuge den entsprechenden Schaden (und ging dann selbst pleite). Da fielen 452 Euro an Bekleidung, die der Angeklagte mitgehen ließ, schon beinahe nicht mehr ins Gewicht.

Zitat Icon

Sie haben das Sportgeschäft als Selbstbedienungsladen missbraucht.

Die Richterin in der Urteilsbegründung

Aber es passte ins Bild, dass er sich mit zwei Kindern für 700 Euro in einem Hotel einmietete, dann aber ohne zu zahlen überstürzt abreiste – angeblich, weil der Sohn ein medizinisches Problem hatte. Auch in einer Pizzeria blieb er die Zeche von 38 Euro zunächst schuldig.

Finanzielles Gebaren versank laut Zeuge im „Tohuwabohu“
Nach dem plötzlichen Abkippen in ein betrügerisches Doppelleben wurden übrigens Tageslosungen nicht mehr auf Geschäftskonten einbezahlt. Zum Glück blieb es beim Versuch, als der Angeklagte 48.000 Euro vom Geschäftskonto auf ein eigenes Konto überweisen wollte. Ein Mitarbeiter als Zeuge beschrieb diese Zeit als „Tohuwabohu“.

Nach einer Hausdurchsuchung, bei der man ein „verdächtiges“ Rad fand sowie verhängter U-Haft ergingen nun 18 Monate Haft, sechs davon unbedingt. Der 37-Jährige nahm dies an, das Urteil ist aber nicht rechtskräftig, weil die Staatsanwältin keine Erklärung abgab.

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