Erbe des Assad-Regimes

IAEA entdeckt Tonnen von Nuklearmaterial in Syrien

Außenpolitik
18.08.2026 20:48
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein Fund von erheblicher Tragweite sorgt in Syrien für Aufsehen: Mitarbeiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) haben bei einer Inspektion „einige Tonnen Nuklearmaterial“ entdeckt. Der Fundort war der Organisation nach eigenen Angaben bislang nicht bekannt. Nach einer ersten Einschätzung soll von dem Material keine Gefahr ausgehen – dennoch könnte es missbräuchlich verwendet werden.

Der Fund geht nach Angaben des syrischen Interims-Außenministers Assad al-Shaibani auf einen Hinweis der syrischen Regierung zurück. Diese habe die IAEA über das Material informiert. Nach syrischen Angaben geschah dies am 17. Juli.

Könnte „missbräuchlich verwendet werden“
IAEA-Chef Rafael Grossi sagte bei einer Pressekonferenz in Damaskus, die syrische Regierung habe die „mutige“ Entscheidung getroffen, die Organisation über den Fund zu informieren. An dem nicht näher genannten Ort seien tatsächlich „einige Tonnen“ Nuklearmaterial entdeckt worden. Dieses könne „missbräuchlich verwendet werden“, erklärte Grossi.

Al-Shaibani bestätigte, dass IAEA-Fachleute Proben des Materials genommen hätten. Nach einer ersten Bewertung sei davon auszugehen, dass keine Gefahr davon ausgehe. Das Material werde „in syrischer Verwahrung bleiben und dem Überwachungssystem der IAEA unterstellt“, erklärte der Minister.

Auch Grossi bestätigte, dass die Stoffe „in internationale Kontrollsysteme integriert“ würden. IAEA-Mitarbeiter sollen demnach gemeinsam mit syrischen Experten an einer sicheren Lagerung arbeiten.

Was hatte Assad damit vor?
Zur Herkunft des Nuklearmaterials erklärte al-Shaibani, es handle sich um ein „Erbe des früheren Regimes“ des langjährigen syrischen Machthabers Bashar al-Assad. Assad regierte Syrien ab dem Jahr 2000 mit harter Hand. 2024 wurde er von Kämpfern unter Führung der islamistischen HTS-Miliz gestürzt und floh nach Russland.

Ein offizielles Atomprogramm gab es in Syrien nie. Allerdings zerstörte Israel 2007 nach eigenen Angaben einen im Bau befindlichen Atomreaktor im ostsyrischen Al-Kibar in der Region Deir ez-Zor.

Zusammenarbeit mit Nordkorea?
Die damalige Assad-Regierung bestritt, dass es sich bei der Anlage um eine Atomanlage gehandelt habe. Die IAEA kam jedoch zu dem Schluss, dass dort „sehr wahrscheinlich“ ein Reaktor gebaut werden sollte – möglicherweise mit Unterstützung Nordkoreas. Grossi erklärte nun, der aktuelle Fund bestätige nun offensichtlich die Vermutung.

Jetzt wird weiter gegraben
In Deir ez-Zor würden derzeit „umfangreiche Ausgrabungs- und Erkundungsarbeiten“ stattfinden. Bereits bei einer Inspektion im vergangenen Jahr hatte die IAEA dort Uranpartikel entdeckt.

Bereits in der vergangenen Woche hatte das Nachrichtenportal „Axios“ unter Berufung auf israelische und US-Vertreter über eine Vereinbarung berichtet, wonach die IAEA in Syrien gelagertes Nuklearmaterial beseitigen soll. Israel überwache demnach einen Ort namens „Site 99“ in Syrien besonders genau.

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