Mit einer Sprengfalle
Escortdame soll Russen-Überläufer ermordet haben
Eine Bombe im Mülleimer, ein ehemaliger U-Boot-Kommandant als Ziel und eine festgenommene Frau mit einer höchst ungewöhnlichen Vorgeschichte: Der tödliche Anschlag auf der von Russland besetzten Krim sorgt für Aufsehen. Die russischen Behörden werfen einer 31-jährigen Russin vor, den Marineoffizier Robert Schagejew im Auftrag ukrainischer Geheimdienste getötet zu haben. Kiew hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Fall geäußert.
Der Anschlag ereignete sich in Sewastopol. Schagejew soll laut russischen Angaben gerade mit einem Bekannten eine Stiege hinuntergegangen sein, als ein in einem Mülleimer neben einer Parkbank versteckter Sprengsatz detonierte.
Der Mann starb noch am Tatort. Augenzeugen berichteten von einem gewaltigen Knall, den manche zunächst für einen Drohnenangriff hielten.
Verdächtige mit Escort-Profil?
Bei der festgenommenen Verdächtigen soll es sich laut Berichten um Margarita Reut aus Sotschi handeln. Der „Telegraph“ berichtete unter Berufung auf den russischen Telegram-Kanal „Mash“, die Frau sei häufig auf die Krim gereist. Zudem soll sie Profile auf Escort-Websites gehabt und als Biologin in einem Labor gearbeitet haben, das Vaginalzäpfchen herstellte.
Wichtiger Hinweis: Diese Angaben stammen aus russischen Medienberichten und sind nicht unabhängig bestätigt. Auch die Identität der Verdächtigen wurde von den russischen Behörden zunächst nicht offiziell genannt.
„Auf Anweisung ukrainischer Geheimdienste“
Der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, erklärte, die Frau habe „auf Anweisung ukrainischer Geheimdienste“ gehandelt. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB bestätigte die Festnahme einer russischen Staatsbürgerin im Zusammenhang mit dem Anschlag.
Laut „New York Post“ erklärten russische Ermittler zudem, die Verdächtige habe bei ihrer Vernehmung keine Reue gezeigt. Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben liegt nicht vor. Auch die Ukraine hat den Vorwurf bislang nicht öffentlich kommentiert.
„Geschieht euch recht, Russen!“
Die Berichte über Reut zeichnen das Bild einer Frau, die sich bereits vor dem Anschlag offen gegen Russland gestellt haben soll. Laut „Telegraph“ und „Mash“ geriet sie im Juli 2025 während einer Zugfahrt mit der Polizei aneinander. Sie soll damals den Satz „Geschieht euch recht, Russen!“ gerufen haben – zu einem Zeitpunkt, als gerade über einen ukrainischen Drohnenangriff auf einen Bahnhof berichtet worden war.
Dafür soll sie zwei Tage Arrest und eine Geldstrafe erhalten haben. Im Februar 2026 soll sie laut dem Bericht in sozialen Medien zudem geschrieben haben: „Ich schäme mich, Russin zu sein.“ Ob die Frau tatsächlich für ukrainische Geheimdienste tätig war und wann sie sich diesen angeschlossen haben soll, ist allerdings unklar.
Angeblich mit Kryptowährung bezahlt
Besonders brisant sind weitere Angaben des russischen Telegram-Kanals „Mash“. Demnach soll Reut für den Anschlag mit Kryptowährung bezahlt worden sein. Außerdem habe sie geplant, sich nach der Tat ins Ausland abzusetzen.
Laut dem Bericht soll die Frau während ihrer Vernehmung gefragt worden sein, ob sie die Tötung des Offiziers bereue. Ihre angebliche Antwort: „Nein.“ Bei einer Verurteilung könnten ihr laut den vorliegenden Berichten bis zu 30 Jahre Haft drohen.
Opfer soll zur russischen Schwarzmeerflotte gewechselt sein
Bei dem getöteten Offizier soll es sich um Robert Schagejew handeln. Er war einst Kommandant der „Saporischschja“, des einzigen U-Boots der ukrainischen Marine. Während der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 soll er das U-Boot den russischen Streitkräften überlassen und anschließend die Seiten gewechselt haben.
Danach diente Schagejew in der russischen Schwarzmeerflotte. Laut Berichten soll er 2015 zum Kommandanten einer U-Boot-Einheit in Sewastopol ernannt worden sein und von 2017 bis 2018 das russische U-Boot B-262 „Stary Oskol“ kommandiert haben. Die Ukraine suchte Schagejew wegen des Verdachts auf Hochverrat. Später wurde er auch mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine in Verbindung gebracht.
Fünf weitere Tote
In derselben Nacht kam es in Sewastopol zu einem weiteren tödlichen Zwischenfall. Gouverneur Raswoschajew zufolge wurden fünf Menschen getötet, als sie versuchten, einen Sprengsatz zu beseitigen. „Unsere Leute untersuchten das Gebiet nach einem ukrainischen Angriff. Eine feindliche Munition detonierte“, erklärte Raswoschajew.
Nach Angaben des „Guardian“ handelte es sich bei den Toten um vier Sprengstoffexperten und einen Sicherheitsmitarbeiter. Ob die beiden Vorfälle miteinander in Verbindung stehen, ist aus den vorliegenden Berichten nicht ersichtlich.











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