Die Rekorddürre in Österreich wird laut der Einschätzung mehrerer Ökonomen keinen Teuerungsschub auslösen. Moderate Preisanstiege seien etwa bei Gemüse, Obst und verarbeiteten Lebensmitteln möglich, sagte IHS-Ökonom Sebastian Koch am Mittwoch.
Bei Schweine- und Hühnerfleisch sowie Eiern könne es wegen der Futtermittelknappheit ebenfalls zu Preissteigerungen kommen. Wie berichtet, werden bereits vermehrt Rinder geschlachtet, weil es zu wenig Grünschnitt und andere Futtermittel gibt. Dieses Überangebot lasse jetzt die Rinderfleischpreise sinken, sagte Koch vom Institut für Höhere Studien (IHS).„In der Summe sehe ich derzeit nicht das große Inflationsszenario auf uns zukommen.“ Wenn das Klimaphänomen El Niño in diesem Jahr und 2027 weltweit zu Dürre führe, werde das aber „problematisch“ für die globale Lebensmittelversorgung. Das könnte einen Inflationsschub auslösen.
In Österreich lag die Inflationsrate im Juli laut Schnellschätzung der Statistik Austria bei 2,7 Prozent. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von zehn Prozent auf 4,9 Prozent seit 1. Juli dämpfte die Lebensmittelpreise maßgeblich. Bei frischem Gemüse und Obst sei es durch die Dürre aber bereits zu höheren Preisen gekommen, sagte Wifo-Ökonom Josef Baumgartner. Bei verarbeiteten Lebensmitteln würden die Preise erst später nach oben klettern, weil die Hersteller längere Lieferverträge und Lagerbestände hätten. Er erwartet einen Anstieg der Lebensmittelpreise im Herbst und Winter von über zwei Prozent.
In der Summe sehe ich derzeit nicht das große Inflationsszenario auf uns zukommen.
IHS-Ökonom Sebastian Koch
Komplexitätsforscher Peter Klimek sagte, dass die Erntemenge durch die Dürre nicht nur in Österreich sinke. Lebensmittel würden dadurch knapper und teurer. Durch den Iran-Krieg seien zudem die Düngemittelpreise und die Treibstoffkosten gestiegen. Die teureren Düngemittel werden sich voraussichtlich vor allem ab 2027 bemerkbar machen.
Österreichs Regierung ist sich beim Dürre-Hilfspaket für Landwirtinnen und Landwirte noch uneinig. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hatte zuletzt Hilfsgelder für unversicherte Landwirtinnen und Landwirte versprochen.
Nur 40 Prozent der Grünlandflächen gegen Dürre versichert
Der Gesamtschaden für die Landwirtschaft durch die Rekord-Trockenheit beläuft sich laut Schätzung der Hagelversicherung auf rund eine Milliarde Euro, wovon der Spezialversicherer nur rund 400 Millionen Euro abdeckt. Die Prognose umfasst den ausbleibenden Niederschlag bis 18. August und kann sich noch erhöhen. Derzeit sind in Österreich rund 80 Prozent der Ackerflächen, aber lediglich 40 Prozent der Grünlandflächen gegen Dürre versichert.
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