Dreimal so viele Kühe

Dürre bringt jetzt auch Schlachthöfe ans Limit

Wirtschaft
08.08.2026 14:23

In den vergangenen drei Wochen ist dreimal (!) so viel Rindfleisch auf den Markt gekommen wie normalerweise. Die extreme Dürre treibt die Landwirte dazu, ihre Tiere notschlachten zu lassen. Die Schlachthöfe kommen an ihre Grenzen, die Preise geraten unter Druck – und es gibt viel zu viel Fleisch.

„In den vergangenen Wochen kamen rund dreimal so viele Schlachtkühe zur Vermarktung wie üblich“, ließ ARGE Rind, Dachorganisation von acht Rindererzeugergemeinschaften, wissen. Grund für diese problematische Situation ist die Rekord-Trockenheit in Österreich, die eine folgenschwere Kettenreaktion in Gang gesetzt hat.

Durch die Dürre gibt es viel weniger Grünschnitt und Körnermais, mit dem die Landwirte ihre Kühe füttern können. Viele Bauern müssen wegen der enormen Futterknappheit ihre Rinder notschlachten lassen, was wiederum die Schlachter an ihre Grenzen bringt.

Zweimal so viele Tiere wie sonst
„Aktuell erreichen uns täglich rund doppelt so viele Tiere wie unter normalen Marktbedingungen“, berichtet etwa der oberösterreichische Schlachtbetrieb Handlbauer in Linz der Austria Presse Agentur. Das Problem ist, dass die Österreicher ja nicht plötzlich doppelt so viel Rindfleisch essen wie sonst.

Viele Bauern müssen ihre Kühe wegen Futterknappheit zum Schlachter bringen.
Viele Bauern müssen ihre Kühe wegen Futterknappheit zum Schlachter bringen.(Bild: Dieter Hawlan - stock.adobe.com)

Massive Ernteausfälle

  • Die Getreideproduktion (ohne Mais) ist heuer um ein Fünftel niedriger als im Vorjahr, wie Agarmarkt Austria (AMA) warnt.
  • Im Grünland drohen laut Landwirtschaftsministerium auf zahlreichen Futterflächen Ausfälle von bis zu 50 Prozent.
  • Auch bei Mais, Erdäpfeln, Soja, Zuckerrüben und Kürbis zeichnen sich laut Expertenschätzungen massive Ernteeinbußen ab.

„Erheblicher Wertverlust“
Handlbauer muss deswegen viel Fleisch einfrieren. „Die Tiefkühllager sind jedoch bereits überdurchschnittlich stark ausgelastet und teils an ihrer Kapazitätsgrenze“, warnt das Unternehmen. Dazu kommt, dass die Kälte das Fleisch nicht unbedingt besser macht. „Neben den zusätzlichen Lager- und Energiekosten führt das Einfrieren auch zu einem erheblichen Wertverlust der Ware“, erklärt der oberösterreichische Schlachtbetrieb.

Auch in den anderen Bundesländern kämpfen die Schlachter mit der angespannten Situation. Von einem „massiven Anstieg bei Schlachtkühen“, berichtet etwa Werner Habermann, Geschäftsführer der ARGE Rind und der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf in Niederösterreich.

Aktuell werden mehr Rinder geschlachtet und verarbeitet als üblich.
Aktuell werden mehr Rinder geschlachtet und verarbeitet als üblich.(Bild: contrastwerkstatt – stock.adobe.com)

Enormer Preisdruck
In Kärnten schlachtete Kärntner Fleisch von Anfang des Jahres bis Ende Juni um sieben Prozent mehr Rinder als im vergangenen Jahr. In den kommenden Wochen rechnet man bei der größten bäuerlichen Viehvermarktungsgenossenschaft des Bundeslandes weiterhin mit mehr Schlachtungen als sonst. 

Das wirke sich schon auf den Preis aus, mahnt Kärntner Fleisch – der gerate unter Druck, weil deutlich mehr Rinder geschlachtet werden als sonst und mehr Tiere importiert werden. Das bestätigt auch die ARGE Rind: Im Vergleich zur Woche vom 6. bis zum 12. Juli sackten die Preise um bis zu einem Viertel ab.

Rinder kommen ins Tal
Die Firma Alpenrind in Salzburg rechnet damit, dass das Wetter und eine kürzere Almsaison für die Tiere dafür sorgen, dass mehr Rinder geschlachtet werden. In Tirol dürften die Folgen der Dürre noch nicht so extrem sein. Der Schlachthof Obermoser im Bezirk Kufstein habe aktuell zwar etwas mehr Schlachtungen. Allerdings kann der Betrieb nicht genau sagen, ob das mit einem Futtermangel zusammenhängt. 

In den kommenden Wochen rechnet der Schlachthof Obermoser mit mehr Arbeit: Der Almabtrieb der Tiere steht an. Auch hier wisse man noch nicht, ob wegen des Futtermangels mehr Rinder den Weg in den Schlachthof finden werden als sonst. 

Die ARGE Rind appelliert jetzt an die Schlachthöfe und Viehhändler, die Lebendimporte von Schlachtrindern aufgrund „der dramatischen Futterknappheit vorübergehend auszusetzen“. Laut dem Dachverband werden in normalen Wochen bis zu 1000 Kühe lebend zur Schlachtung nach Österreich importiert.

„Stehen fest an der Seite unserer Landwirte“
Kanzler Christian Stocker (ÖVP) versichert, dass die Bundesregierung in der aktuellen Situation „fest an der Seite unserer Landwirtinnen und Landwirte“ stehe. „Das reicht von der Aufrechterhaltung der Liquidität bis zur Kompensation der Schäden“, kündigt der Kanzler an. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat jedenfalls zu Beginn der Woche ein Dürre-Maßnahmenpaket in Aussicht gestellt.

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