„Ist nicht sicher“
Kinderverbot in Studio: Viel Lob für Betreiberin
Laut sein und Herumtoben gehört zum Kindsein dazu – dass ein Nagel- und Tattoostudio allerdings dafür kein geeigneter Ort ist, sollte auf der Hand liegen. Doch weil dies offenbar einigen doch nicht klar ist, hat eine Studiobetreiberin aus Deutschland nun Nägel mit Köpfen gemacht und ein Verbot erteilt.
Melanie Ziemke ist 46, „glücklich verheiratet und Mama von drei Kindern“, wie die Chemnitzerin der „Krone“ schildert: „Ich weiß daher, welche Herausforderungen das Familienleben mit sich bringt.“ Trotzdem hat die Betreiberin eines Nagel- und Tattoostudios nun eine Grenze gezogen. Künftig dürfen keine minderjährigen Kinder mehr zu Terminen mitgebracht werden.
Kinder von Kunden gingen bis ins Wohnhaus
„Leider mussten wir in den vergangenen Jahren jedoch immer wieder erleben, dass es zu Vorfällen kam, die den Studioalltag erheblich beeinträchtigt haben. Bereits während Beratungsgesprächen wurden Schränke ausgeräumt, unsere Funkklingel beschädigt oder Schokolade auf der hellen Couch im Wartebereich verteilt. Auch im Nagelstudio wurden mehrfach Arbeitsmaterialien ausgeräumt oder verschüttet, mitgebrachte Speisen im gesamten Studio verteilt und sogar Möbel angemalt“, schildert Ziemke.
Besonders belastend sei außerdem gewesen, dass Kinder wiederholt das Studio verließen und auf das Privatgrundstück oder sogar ins Wohnhaus gingen, um dort die Kinderzimmer oder die Spielgeräte zu nutzen: „Da sich unser Nagelstudio und das Tattoostudio direkt auf unserem privaten Grundstück befinden, ist dieser Bereich ausdrücklich kein öffentlicher Spielplatz.“
Mir geht es dabei nicht darum, Familien auszuschließen oder Eltern zu verurteilen. Im Gegenteil: Als Mutter kenne ich die Herausforderungen nur zu gut.
Studiobetreiberin Melanie Ziemke
„Geht nicht darum, Familien auszuschließen“
Als empathischer Mensch wisse sie auch, dass die Kinderbetreuung eine Herausforderung sei: „Es geht nicht darum, Mütter oder Familien auszuschließen.“ Leider kam es in mehreren Situationen vor, dass die Eltern nicht oder nur sehr eingeschränkt eingriffen, was wiederum zu einer Unterbrechung der Arbeit geführt habe: „Mir ist es sehr wichtig, jeder Kundin und jedem Kunden meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Nur so kann ich professionell und verantwortungsvoll arbeiten und die Qualität bieten, die meine Kundinnen und Kunden erwarten und verdienen.“
Auf Facebook erntete Ziemke viel Zuspruch, aber auch Anfeindungen: „Jeder hat unterschiedliche Vorstellungen und Prioritäten – und das ist völlig in Ordnung.“ Dennoch habe sie sich entschieden, „meinen eigenen Weg zu gehen und mit Menschen zusammenzuarbeiten, die zu meiner Arbeitsweise und meinen Werten passen“: „Wenn das für jemanden nicht stimmig ist, dann sind wir wahrscheinlich einfach nicht die richtigen Partner. Das ist weder gut noch schlecht – sondern einfach eine passende oder eben keine passende Verbindung. Und auch das ist vollkommen in Ordnung.“
„Würde mir im Leben nicht einfallen“
Tatsächlich betonen viele User, die Entscheidung sei absolut richtig und nachvollziehbar: „In Tattoostudios haben Kinder unter 18 Jahren generell nichts zu suchen“, schreibt eine Userin. „Mir würde es im Leben nicht einfallen, mein Kind zu solchen Terminen mitzunehmen“, lautet ein weiterer Kommentar. Einige Mütter meldeten sich sogar, dass Besuche im Nagelstudio ohne Kids für sie eine willkommene „Auszeit“ seien.
Doch es gibt auch Kritik: „Mein Kind darf zu meinem Termin zum Glück mit. Als Alleinerziehende könnte ich sonst solche Termine gar nicht wahrnehmen.“ Andere unterstellen der Studiobetreiberin gar, familienunfreundlich zu sein.
„Die meisten haben Verständnis“
Die Reaktionen ihrer Kundinnen und Kunden seien jedenfalls „überwiegend verständnisvoll“ gewesen, so Melanie Ziemke: „Natürlich fiel es einigen nicht leicht, die Situation zu akzeptieren, dennoch wurde meine Entscheidung respektiert. Die meisten begegneten mir mit Verständnis und verzichteten auf Diskussionen, wofür ich sehr dankbar bin. Das hat mir in dieser Zeit viel bedeutet.“
Fakt ist: Weder in Deutschland noch in Österreich gibt es Vorschriften, ab wann ein Kind mit in ein Nagel- oder Tattoostudio darf. Hier gilt das Hausrecht, der Betreiber kann hier Vorschriften erlassen. Für das Nägelmodellieren gibt es auch prinzipiell keine Altersbegrenzung, meistens wird aber empfohlen, bei Kindern keine Gelnägel oder Ähnliches zu machen. Beim Tätowieren gilt in Österreich 16 als Altersgrenze – wer zwischen 16 und 18 ist, braucht eine Einverständniserklärung der Eltern.







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