Seit der Bleiburger Gerichtschef Franz Boschitz in Pension gehen musste, gibt es keinen einzigen zweisprachigen Richter mehr in Kärnten. Jahrzehnte hatte er sich um die slowenische Volksgruppe bemüht – was nun auch mit einer großen Ehrung der Republik belohnt wurde.
„Das ist vermutlich das erste Mal, dass ein Ruhestand eine Verfassungsänderung nach sich zieht“, muss Justizministerin Anna Sporrer zugeben. Wie berichtet, verabschiedete sich mit Franz Boschitz im April der letzte zweisprachige Richter Kärntens in die Pension – „ungern“, wie er im „Krone“-Interview meinte, „ich hätte gerne noch weiter gearbeitet!“
Mangels slowenischkundigen Juristennachwuchses wurde das Kärntner Justizsystem daher per Gesetz geändert – im Verfassungsrang: Ab 2027 kommen zweisprachige Kompetenzzentren in Klagenfurt und Völkermarkt, die Bezirksgerichte Bleiburg, Eisenkappel und Ferlach sind nur noch bei Bedarf besetzt. Konkret können dann Richter nur noch mit Slowenisch-Dolmetschern verhandeln, wenn das gewünscht wird. Genauere Abstimmungsgespräche dazu laufen bereits.
Boschitz hatte nicht nur zwei der Standorte geleitet, sondern sich Jahrzehnte um die Aufrechterhaltung der zweisprachigen Gerichtsbarkeit bemüht. Für seinen Einsatz wurde er nun am Landesgericht Klagenfurt mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen der Republik ausgezeichnet.
Die bewegten Dankesworte des Vollblutjuristen sollten sich manche seiner Rats- und Juristenkollegen zu Herzen nehmen: „Ich habe den Richterberuf immer als Dienst am Menschen gesehen, als Teil einer freien, liberalen Demokratie. Dankeschön. Hvala lepa.“
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