Frontex-Video regt auf

NGO-Seehilfe für Schlepper? Jetzt spricht Karner

Innenpolitik
23.07.2026 14:31

Das brisante Video der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex über eine mögliche Kooperation einer Menschenrechtsorganisation mit Schleppern im Mittelmeer wirbelt inzwischen viel politischen Staub auf. Vor allem rechte Parteien ziehen den Vorfall in den Sozialen Medien hoch. Nun hat sich auch Österreichs Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) mit einer klaren Botschaft zu Wort gemeldet. 

„Genau um diesem Treiben ein Ende zu setzen und auch um das Geschäft der Schleppermafia nachhaltig zu zerschlagen, arbeitet Österreich intensiv an der Umsetzung des europäischen Asylpakts und ganz konkret an Rückkehrzentren in Staaten außerhalb Europas!“, betont Karner am Donnerstagnachmittag gegenüber der „Krone“.

Seit 12. Juni gelten schärfere Gesetze für Migranten
Schon 2023 warnte Karner, dass private Seenotrettungen das kriminelle Geschäft der Schlepper befeuern würden. Mit dem am 12. Juni in Kraft getretenen europäischen Migrations- und Asylpakts will die EU die Ankunft von Migranten besser steuern, effizientere und einheitliche Asylverfahren schaffen und das Weiterziehen von Migranten in andere Länder reduzieren. 

Zitat Icon

Österreich arbeitet intensiv an der Umsetzung des Asylpakts und ganz konkret an Rückkehrzentren in Staaten außerhalb Europas!

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP)

Übler Verdacht gegen Seenotretter
Dass der Kampf gegen illegale Migration aber noch lange nicht gewonnen ist, zeigen die jüngsten Videoaufnahmen von Frontex. Dort ist zu sehen, wie Beiboote zwischen der deutschen Sea-Watch 5 und einem Schnellboot von Schleusern hin- und herpendeln. Bei jeder Fahrt werden Menschen auf das 58 Meter lange Großschiff der NGO gebracht.

Dieses Video zeigt die brisante Übergabe von Migranten und bringt Sea-Watch unter Druck:

Neben den Geflüchteten, die rote Schwimmwesten tragen, sind auch die mutmaßlichen Schleuser erkennbar, die Sturmhauben tragen. Die Aufnahmen wurden am 11. Mai 2026 rund 70 Kilometer nordöstlich von Libyens Hauptstadt Tripolis gemacht. 

Bilder vom 11. Mai sollen zeigen, wie Migranten unmittelbar von einem Boot in die Rettungsboote ...
Bilder vom 11. Mai sollen zeigen, wie Migranten unmittelbar von einem Boot in die Rettungsboote der Sea-Watch 5 umsteigen.(Bild: FRONTEX)

Offenbar koordinierter Transfer
Brisant sind die Videos, da Vorwürfe im Raum stehen, dass die Seenotretter mit den Schleusern kooperieren. Die Aufnahmen sollen demnach einen koordinierten Transfer zeigen. Nach der Übergabe sollen auch Gesten zwischen den Männern auf dem Boot und der Besatzung zu sehen sein. 

Italienische Justizbehörden ermitteln unter Hochdruck
Vier Tage später kam das Seenotrettungsschiff Sea-Watch 5 mit 166 Migranten an Bord im Hafen von Brindisi in Süditalien an. Nach Auswertung der Aufnahmen leitete die italienische Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beihilfe zur illegalen Einwanderung ein. Der Strafbestand kann in Italien mit bis zu 20 Jahren Haft geahndet werden. Beschuldigter ist nach italienischen Medienberichten der niederländische Kapitän der Sea-Watch, Anne van Dam.

Der „Transfer“ verlief ruhig und geordnet.
Der „Transfer“ verlief ruhig und geordnet.(Bild: FRONTEX)

Rechte Parteien nutzen Aufregung
AfD-Chefin Alice Weidel kommentierte das Video auf X mit den Worten: „Ein Frontex-Video bestätige offenkundig den Verdacht, dass Seenotretter ,Hand in Hand‘ mit kriminellen Banden Migranten nach Europa schleusten.“ Und sie fügte hinzu: „Eine AfD-Regierung wird den NGO-Schleusern das Handwerk legen!“

AfD-Chefin ALice Weidel auf X
AfD-Chefin ALice Weidel auf X(Bild: Screenshot/X.com)

Auch FPÖ-Politikerin Petra Steger hinterließ auf X ein Posting mit deutlichen Worten über diesen Vorfall (siehe unten).

FPÖ-Politikerin Petra Stefer auf X
FPÖ-Politikerin Petra Stefer auf X(Bild: Screenshot/X.com)

NGO kontert Vorwürfen
Der Verein Sea-Watch hingegen konterte den Vorwürfen: „Ein Video ,bestätigt offenkundig‘ = die stärkste Beweisform seit dem Bauchgefühl. Seenotrettung ist völkerrechtliche Pflicht. Aber wer hat Zeit für Völkerrecht, wenn die eigene Partei kurz vor dem Verbotsverfahren steht?“

Sea-Watch wirft der deutschen Bundesregierung und der EU hingegen vor, mithilfe von Frontex seit Jahren libysche Akteure politisch, finanziell und operativ zu unterstützen, „obwohl deren Gewalt gegen Schutzsuchende dokumentiert ist“.

Die Sea-Watch 5 wurde demnach am 26. September 2025 und am 11. Mai dieses Jahres mehrfach bedroht, bedrängt und beschossen. Im Mai hätten libysche Milizen zudem gedroht, das Schiff zu entern und die Besatzung sowie das Schiff nach Libyen zu entführen, so Sea-Watch.

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