US-Pakt mit den Saudis

Israel warnt vor nuklearem Wettrüsten in Nahost

Außenpolitik
23.07.2026 14:34
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mitten im Krieg um das iranische Atomprogramm schließen die USA und Saudi-Arabien ein Abkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Vor allem Israel beobachtet die jüngsten Schachzüge von US-Präsident Donald Trump mit großer Sorge. Es wird von einem weiteren nuklearen Wettrüsten in einer ohnehin schon sehr labilen Region gewarnt.

Die Regierung in Washington teilte am Mittwoch mit, sie wolle Saudi-Arabien beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms unterstützen. Die Energieminister beider Länder unterzeichneten dazu eine Vereinbarung. Außerdem soll ein weiteres Abkommen über Sicherheitskontrollen unterzeichnet worden sein. Einzelheiten sind noch nicht veröffentlicht worden.

Nach Berichten des „Wall Street Journal“ könnte das Abkommen Saudi-Arabien erstmals den Weg zur Urananreicherung eröffnen. Eine gemeinsame amerikanisch-saudische Studie soll prüfen, ob eine Anlage im Königreich gerechtfertigt wäre. Bei einem positiven Ergebnis könnten US-Unternehmen den Bau übernehmen.

Zeitpunkt besonders brisant
Zugleich sollen US-Firmen für 30 Jahre eine zentrale Rolle beim Aufbau der saudischen Atomindustrie erhalten und ausländische Konkurrenten weitgehend ausgeschlossen werden. Die Urananreicherung gilt als besonders sensibel. Niedrig angereichertes Uran dient als Brennstoff für Kernkraftwerke. Bei höherem Anreicherungsgrad kann es jedoch für Atomwaffen genutzt werden.

Der Zeitpunkt ist besonders brisant. Das Abkommen fällt mit dem Iran-Krieg zusammen – den die US-Regierung und Israel auch mit der Sorge begründen, der Iran könne nach Atomwaffen streben. Teheran weist dies seit Jahren zurück. Saudi-Arabien besitzt bisher kein bekanntes Atomwaffenprogramm. Kronprinz Mohammed bin Salman treibt die zivile Nutzung der Kernenergie jedoch seit Jahren voran. Er betont, sein Land wolle keine Atomwaffen entwickeln. Sollte der Iran diesen Schritt aber gehen, werde Saudi-Arabien „so schnell wie möglich“ nachziehen.

Der Atompakt ist ein klarer Sieg für den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.
Der Atompakt ist ein klarer Sieg für den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.(Bild: AFP/BANDAR AL-JALOUD)

Folgen die Emirate, Türkei und Ägypten?
Befürworter sehen das Abkommen als Möglichkeit, saudische Nuklearentwicklung unter amerikanische Kontrolle zu bringen und gleichzeitig den chinesischen und russischen Einfluss zurückzudrängen. Kritiker warnen vor einem Verstoß gegen die US-Politik zur Nichtverbreitung von Atomwaffen. Experten machen zudem darauf aufmerksam, dass andere Staaten der Region ähnliche Ansprüche stellen könnten. Genannt werden unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei und Ägypten. Ein Zugang Saudi-Arabiens zu sensibler Nukleartechnik könnte den Druck auf andere Länder erhöhen, eigene Programme auszubauen.

Auch die Beziehungen zur Atommacht Pakistan sorgen für Aufmerksamkeit. Riad und Islamabad haben ihre Zusammenarbeit zuletzt verstärkt. Nach Israels Angriff auf Hamas-Vertreter in Katar unterzeichneten sie ein Abkommen, das Saudi-Arabien auch Zugang zum pakistanischen Programm ermöglichen könnte.

Israels Ex-Verteidigungsminister: „Schwerer Fehler“
Die Vereinbarung markiert zudem einen Kurswechsel der US-Regierung. Unter Präsident Joe Biden war eine atomare Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien noch an eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel geknüpft. Nach Beginn des Gaza-Kriegs wurden diese Gespräche ausgesetzt. Trump trennte die nukleare Kooperation nun offenbar von der Forderung, dass Saudi-Arabien Israel anerkennen müsse.

US-Präsident Donald Trump will offenbar auch gegen die israelischen Interessen den Saudis unter ...
US-Präsident Donald Trump will offenbar auch gegen die israelischen Interessen den Saudis unter allen Umständen beim Atomprogramm assistieren. Israels Premier Benjamin Netanyahus Einfluss auf das Weiße Haus ist offenbar nicht mehr so groß.(Bild: AFP/JIM WATSON)

In Israel stößt der Schritt auf Kritik. Die Regierung in Jerusalem sieht besonders die mögliche Urananreicherung auf saudischem Boden als Sicherheitsrisiko. Ex-Ministerpräsident Naftali Bennett bezeichnete die Vereinbarung als „schweren strategischen Fehler“, wie das Portal „ynet“ berichtete. Er warnte, mehr Urananreicherung in der Region könne einen regionalen Atomwettlauf auslösen. Oppositionspolitiker kritisierten die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu demnach und warfen ihr vor, Israels Einfluss in Washington verloren zu haben. Der Deal muss nun dem US-Kongress vorgelegt werden. Dort wird ebenfalls Widerstand erwartet.

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