Gestern war es wieder so weit: Der Bundespräsident sprach zum Volk. Das ist keine Selbstverständlichkeit und daher als solches schon ein Ereignis.
Alexander Van der Bellen hat sich ja bereits vor einem Weilchen auf die digitalen Inseln TikTok und Instagram zurückgezogen. Über diese Kanäle lässt das Staatsoberhaupt theoretisch die ganze Welt an seinem Leben teilhaben. Also, wenn er etwa zur Fußball-WM an die Eltern in Österreich appelliert, die Kinder länger fernschauen zu lassen. Oder wenn sein „First Dog“ zum „Internationalen Bürohundetag“ gratuliert.
Das ist nett. Jetzt jedoch, zu Beginn der Festspielsaison, werden die alten Mahnungen aus den Schubladen in der Hofburg geholt. In Bregenz war da also vom Bundespräsidenten viel zu hören von Demokratie, Respekt und Freiheit, die verteidigt werden müssen.
Dagegen lässt sich nichts einwenden. Das sind Wahrheiten von zeitlosem Pathos. Doch man wird den Eindruck nicht los, dass Van der Bellen diese Werte bedroht sieht. Nur sagt er nicht von wem.
Nun kann man aufgrund der politischen Heimat des Bundespräsidenten ahnen, wen er meint. Doch wenn er bloß als warnende Drohne im Ungefähren drüber schwebt, Ross und Reiter nicht beim Namen nennt, bleibt seine hübsche Rede ein Ritual ohne Folgen.
Vielleicht war das gestern in Bregenz nur ein Probegalopp. Bis Sonntag, wenn der Bundespräsident die Salzburger Festspiele eröffnet, fällt ihm vielleicht noch ein, wen er meint.
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