Im ORF läuft der Kampf um 13 Spitzenjobs. Stiftungsrat Peter Westenthaler macht nun in einem Brief seinen Ärger über die „Wahl“ Luft. Er spricht von „Geheimsache“. Die „Krone“ weiß, warum er nur teilweise recht hat – und wie die Wahl wirklich läuft.
Am 11. August ist High Noon. Da legt der Stiftungsrat in einer geheimen Sitzung fest, wer den ORF gemeinsam mit dem designierten Generaldirektor Clemens Pig in neue Zeiten führen soll. Vier Manager-Jobs am Küniglberg und neun Landesdirektionen wurden ausgeschrieben. Alles lief diesmal nach einem neuen Verfahren ab.
Das sorgt nun aber für Unmut. Denn allein Pig weiß, wer sich beworben hat. Es wurde eine eigene Mail-Adresse eingerichtet, unter der sich Kandidatinnen und Kandidaten bewerben konnten. Nur der künftige General hat Zugriff darauf. Bisher hatten die Stiftungsräte immer Einblick, wer sich aktuell um einen Spitzenposten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bemüht.
Das ist Peter Westenthaler zu viel der Geheimniskrämerei. Er hat Heinz Lederer, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates, am Montag einen Brief übermittelt, in dem er seiner Wut über den Bestellungsvorgang Ausdruck verleiht.
Wie soll ein Stiftungsrat überhaupt Entscheidungen treffen, wenn er nicht einmal über alle Bewerber informiert wird?
Peter Westenthaler
Zuständige „für dumm verkauft“
„Während der gewählte ORF-Generaldirektor und der Vorsitzende des Stiftungsrates die Bewerbungen der Kandidaten mit skurrilen Erklärungen zur Geheimsache erklären, werden wenige, ausgesuchte Medien sehr wohl mit Informationen über Namen und Anzahl von Bewerbern versorgt“, schreibt der frühere Politiker, der nun auf einem FPÖ-Ticket in dem Gremium sitzt.
Die für die Bestellung Zuständigen werden „für dumm verkauft und ohne Informationen übergelassen“, so Westenthaler weiter. „Wie soll ein Stiftungsrat überhaupt Entscheidungen treffen, wenn er nicht einmal über alle Bewerber informiert wird?“
Er nimmt dabei Bezug auf EMFA, das neue EU-Gesetz zu Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Bestellungen. Es kommt erstmals bei ORF-„Wahlen“ zum Einsatz und ist für alle Beteiligten heikel. Denn sie müssen nun begründen, warum sie wem ihre Stimme geben. In einem etwaigen Prozess wird diese Begründung öffentlich gemacht.
Ist die Kritik berechtigt?
Westenthaler hat mit dem Vorwurf der Geheimniskrämerei recht, wiederum aber auch nicht, denn der Stiftungsrat hat nun definiert, wie er bei den Ernennungen vorgehen will, erfuhr die „Krone“. Demnach werden in der kommenden Woche die Kandidatinnen und Kandidaten gesichtet. Clemens Pig zieht dazu je einen Personalberater aus der Schweiz und aus Deutschland bei. Grundlage der Bewertung sind Scoreboards, auf denen die Bewerber nach definierten Kriterien bewertet werden. 105 Personen haben ihr Interesse bekundet, einige für mehrere Positionen.
In der Woche darauf wird eine Shortlist erstellt, sie soll bis 31. Juli fertig sein. Das Feld der Kandidaten wird auf wenige Namen pro Kategorie ausgedünnt. Mit allen, die in Frage kommen, werden Einzelgespräche geführt, danach erfolgt die Entscheidung.
Am 6. August wird den Stiftungsräten schließlich mitgeteilt, wen Pig in seinem Team haben will. Die Lebensläufe und die Scoreboards und die Bewertungen werden auf das interne Webportal des Gremiums hochgeladen. Ab da hat jeder der 35 Vertreter vollen Zugriff auf die Daten.
Fünf Tage später finden die Ernennungen statt. Entweder werden alle 13 künftigen Direktoren im Paket bestätigt oder es gibt Einzelabstimmungen. Das muss der Stiftungsrat vor Beginn der Sitzung festlegen.


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