Kritik an Plänen

Doppel-Reform: ÖTV sendet Beschwerdebrief an ATP

Tennis
21.07.2026 14:01
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Die geplante radikale Kürzung von Doppelfeldern auf der ATP-Tour ab 2028 sorgt für Diskussionen. Wer sich ein einheitliches Auftreten aller Tennis-Profis gegen die Halbierung erwartet, wird überrascht sein. Denn die Inanspruchnahme von Trainingsplätzen oder auch Physiotherapeuten durch die Doppelspieler ist auch so manchem Einzelspieler mitunter ein Dorn im Auge. Der Österreichische Tennisverband stellt sich wie auch in anderen Ländern aber klar gegen diese Entwicklungen.

Die ATP plant künftig, die Doppelfelder bei Masters-1000-Events von 32 auf 16 Paare zu reduzieren und bei ATP-500- und -250-Turnieren von 16 auf 8. Der ÖTV hat ein zweiseitiges Beschwerdeschreiben an die ATP gesandt, in dem man u.a. auch die Besorgnis über die weiterreichende Botschaft dieses Vorschlags moniert.

Richard Grasl
Richard Grasl(Bild: GEPA)

„In einer Zeit, in der der Tennissport die Möglichkeiten für Profisportler erweitern und alle Disziplinen des Sports stärken sollte, geht die Verringerung der Beschäftigungs- und Verdienstmöglichkeiten für eine ganze Gruppe von Spielern genau in die entgegengesetzte Richtung. Der Profitennissport sollte Karrierewege schaffen - nicht sie beseitigen“, heißt es in dem von ÖTV-Präsident Richard Grasl, -Sportdirektor Jürgen Melzer und –Geschäftsführer Thomas Schweda gezeichneten Schreiben.

Melzer plädiert für mehr Einzelspieler im Doppel
Melzer kann die Turnierveranstalter auch im Hinblick auf die Kosten verstehen, aber: „Ich habe da zwei Hüte auf als ehemaliger Spieler und natürlich auch als Sportdirektor – ich würde da weiter ausholen. Ich finde es schade, dass wenige Einzelspieler auch Doppel spielen. Ich glaube, dass es extrem viel bringen würde, wenn man sich die Spielstile anschaut.“

Jürgen Melzer
Jürgen Melzer(Bild: GEPA)

Melzer war in seiner Karriere ja gleichzeitig in den Top Ten im Einzel und Doppel und sagte am Dienstag rückblickend: „Ich kann von mir sagen, ich wäre nie in den ersten Zehn im Einzel gestanden, wenn ich nicht Doppel gespielt hätte.“ Dass das Problem vielschichtig, aber nicht unlösbar ist, glaubt auch er. „Mir hat der Doppelsport so viel gegeben, es tut halt schon weh.“

Ofner mit gewisser Kritik
Sebastian Ofner wollte sich zu der Thematik zunächst nicht näher äußern, ehe er doch Einblicke lieferte. „Das Doppel an sich ist eine super Sache. Es ist halt trotzdem so, dass es schon sehr viele Spieler gibt, die zu früh aufs Doppel gehen. Tennis ist ein Einzelsport, der Einzelsport zieht, das Doppel ist auch gut“, erklärte der Steirer, der der Meinung ist, dass es im Doppel „einfacher“ ist. „Man braucht nur schauen, welche Spieler da in die Top 100, Top 50 im Doppel kommen. Das sind alles gute Tennisspieler, aber es ist kein Vergleich zum Einzel.“

Nicht gefallen hat ihm zuletzt in Wimbledon, dass er nach einem Fünf-Satz-Match über drei Stunden keinen Physio haben konnte, weil alle Physios mit Doppelspielern beschäftigt waren. „Die haben da noch gar kein Match gehabt. Das könnte man ändern, dass der Priorität hat, der an dem Tag auch spielt“, sagte Ofner.

Auch Melzer, der sich seit einigen Monaten als zweiter Coach neben Günter Bresnik um Lukas Neumayer kümmert, hat das z.B. in Kitzbühel erlebt. „Wir mussten hier auch lange auf einen Trainingsplatz warten. Da war ich jetzt auch nicht happy, muss ich zugeben.“ Dennoch würde Doppel u.a. auch im Amateur- und Clubbereich eine große Rolle spielen, dies könnte langfristige Auswirkungen haben. „Bevor ich so einen radikalen Schnitt mache, sollte ich was anderes probieren.“

Besseres Zeitmanagement als Lösung?
Für Jurij Rodionov gehört das Doppel einfach zum Tenniszirkus dazu. „Ich finde es schade. Natürlich kann man sagen, dass die Doppelspieler die Trainingsplätze wegnehmen, dass die viel kosten, aber es gehört zum Tennissport.“ Einwände von Single-Spielern versteht er so nicht. „Die Einzelspieler sollen sich mal beruhigen. Das sind ja trotzdem Spieler. Natürlich, wenn zwei Doppelspieler am Samstag eine Stunde allein auf dem Center Court bekommen, wenn die am Dienstag spielen, dann sage ich auch: Ihr spielt in drei Tagen.“ Jedenfalls scheint die Lösung durchaus in einem gut durchdachten Zeitmanagement der Turnierleitung oder Vorschriften durch die ATP zu liegen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

KMM
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung