Ärztekammer warnt

Trauriger Rekord! 19 Kassenstellen unbesetzt

Burgenland
20.07.2026 05:00

Medizinische Versorgung gerät in Österreich immer stärker unter Druck. So viele unbesetzte Kassenstellen wie derzeit gab es noch nie.

Der Ärztemangel im Burgenland spitzt sich weiter zu. Derzeit sind 19 der rund 240 Kassenstellen vakant. Das entspricht knapp acht Prozent aller Vertragsarztstellen. So viele unbesetzte Stellen hat es laut Ärztekammer Burgenland noch nie gegeben. „Fünf vor zwölf ist daher längst vorbei“, warnt Kammeramtsdirektor Thomas Bauer. Zwar gebe es bei der aktuellen Ausschreibung erstmals wieder Bewerber für einige Stellen, dennoch bleibe die Lage angespannt.

Kassenstelle zum 60. Mal! ausgeschrieben
Wie dramatisch die Situation inzwischen ist, zeigt die Dermatologie. Statt sechs Kassenfachärzten gibt es derzeit nur noch vier. Eine Kassenstelle in Neusiedl am See wird mittlerweile bereits zum 60. Mal ausgeschrieben, jene in Oberpullendorf bereits zum 31. Mal. Beide konnten bisher nicht besetzt werden. Viele Ordinationen haben bereits einen Aufnahmestopp verhängt. Patienten warten oft monatelang auf einen Termin oder müssen auf Ärzte in anderen Bundesländern ausweichen.

Niedrigste Honorare als Hauptproblem
Neben der Dermatologie zählen auch die Gynäkologie und die Allgemeinmedizin weiterhin zu den Problemfächern. So wartet etwa eine Kassenstelle für Gynäkologie in Großpetersdorf mittlerweile seit der 30. Ausschreibung auf einen Nachfolger. Für die Ärztekammer liegt die Hauptursache auf der Hand.

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Warum sollte sich ein Facharzt im Burgenland niederlassen, wenn er in Niederösterreich für dieselbe Leistung rund 30 Prozent mehr Honorar bekommt? 

Ärztekammer-Vizepräsident Michael Schriefl

Burgenlands Kassenärzte erhalten im österreichweiten Vergleich nach wie vor die niedrigsten beziehungsweise zweitniedrigsten Honorare der Österreichischen Gesundheitskasse. „Warum sollte sich ein Facharzt im Burgenland niederlassen, wenn er in Niederösterreich für dieselbe Leistung rund 30 Prozent mehr Honorar bekommt?“, sagt Ärztekammer-Vizepräsident Michael Schriefl. Solange es keine österreichweit einheitlichen Honorarkataloge gebe, bleibe das Burgenland im Wettbewerb um Ärzte deutlich im Nachteil.

Versorgungssicherheit durch kreative Lösungen
Zwar laufen derzeit Verhandlungen über einen österreichweiten Honorarkatalog, konkrete Ergebnisse gibt es aber noch nicht.

Dass die medizinische Versorgung dennoch aufrechterhalten werden kann, sei laut Ärztekammer nur immer kreativeren Kooperationsmodellen zu verdanken.

Rund jeder zehnte Kassenarzt beschäftigt inzwischen einen angestellten Arzt. Insgesamt arbeiten bereits 23 Mediziner in solchen Anstellungsverhältnissen. Hinzu kommen Gruppenpraxen und zahlreiche Dauervertretungen. „Fast jede zweite Kassenordination wird heute nicht mehr von einem Arzt allein geführt“, erklärt Bauer.

Ärztekammer fordert besser Rahmenbedingungen
Nur dadurch könnten Ausfälle und unbesetzte Stellen derzeit noch kompensiert werden. Auf Dauer könne das den Ärztemangel aber nicht ersetzen. Ein weiteres Problem sei, dass im Burgenland keine Dermatologen ausgebildet werden. Junge Mediziner absolvieren ihre Ausbildung in anderen Bundesländern und bleiben anschließend meist auch dort.

Die Ärztekammer fordert daher erneut bessere Rahmenbedingungen und eine faire Honorierung. „Wer Kassenstellen unattraktiv macht, darf sich nicht wundern, wenn sie niemand übernehmen will“, sagt Schriefl.Carina Fenz

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