Das Traktor-Drama in Satteins und der tragische Badeunfall in Bludenz haben Vorarlberg erschüttert. Für die betroffenen Angehörigen bricht bei derartigen Tragödien eine ganze Welt zusammen, aber auch für die Einsatzkräfte sind solche Extremsituationen sehr belastend. In diesen dunklen Stunden ist das Team der Krisenintervention und Notfallseelsorge (KIT) eine wertvolle Stütze.
Rund 300-mal im Jahr wird das KIT Vorarlberg alarmiert. Die 100 ehrenamtlichen Helfer betreuen in erster Linie Angehörige, Augenzeugen und Ersthelfer nach schweren Unfällen oder Suiziden. Doch auch für die Einsatzkräfte ist das Team da. „Wir leisten Erste Hilfe für die Seele“, erklärt Thomas Stubler, Koordinator und Geschäftsführer der Krisenintervention. Er beschreibt die Philosophie des Teams mit den Worten eines Ausbildners: „Wir kommen zu den Menschen in ihren dunkelsten Stunden, aber nicht, um das Licht einzuschalten, sondern, um gemeinsam mit den Betroffenen die Dunkelheit auszuhalten.“
Das Schweigen aushalten
Wie diese Hilfe konkret aussieht, entscheidet sich immer erst direkt vor Ort. Ein Patentrezept gibt es nicht. „Oft ist die Sprachlosigkeit, der Schock so groß, dass nicht viel geredet wird“, berichtet Stubler aus der Praxis. Tröstende Standardsätze suche man bei den KIT-Mitarbeitern vergeblich, vielmehr passe man sich individuell an die Bedürfnisse der Menschen an. Manchmal geht es schlicht darum, da zu sein und zuzuhören.
Dementsprechend unterschiedlich fällt auch die Dauer der Einsätze aus. „In der Regel sind wir dreieinhalb Stunden vor Ort. Wir hatten aber auch schon Einsätze, die nach einer halben Stunde beendet waren. Mein längster Einsatz hingegen hat elf Stunden gedauert.“
Umdenken bei den Einsatzkräften
Neben den direkt Betroffenen rückt auch die psychische Belastung der Retter immer mehr in den Fokus. Etwa einmal im Monat wird das KIT von einer Einsatzorganisation wie der Feuerwehr, der Polizei oder der Rettung gerufen. „Früher waren bei der Feuerwehr nur harte Jungs, die keine Emotionen zeigen durften“, erinnert sich Stubler. „Da hat es inzwischen glücklicherweise ein Umdenken gegeben. Gerade nach so heftigen Einsätzen wie unlängst beim tödlichen Badeunfall in Feldkirch oder beim Traktor-Unglück in Satteins bringen Gespräche Entlastung.“
Bei der Nachbereitung mit den Einsatzkräften geht es meist um die Bewältigung einer emotionalen Überforderung. Während die technischen Abläufe im Schlaf beherrscht werden, lässt sich die menschliche Tragik nicht wegtrainieren. „Die vielen Abläufe sind klar. Das wird regelmäßig geübt. Da sitzt jeder Handgriff. Gibt es aber Todesopfer oder Angehörige, die in ihrer Not nur mehr schreien, löst das eine emotionale Stresssituation aus. Damit sind die Einsatzkräfte überfordert“, erklärt der KIT-Koordinator.
Enge Zusammenarbeit und große Wertschätzung
Dass die Arbeit des KIT heute ein unverzichtbarer Pfeiler im Vorarlberger Rettungswesen ist, zeigt sich in der engen Vernetzung. Die Zusammenarbeit mit allen Blaulichtorganisationen im Land laufe hervorragend. „Wir werden von den Einsatzorganisationen direkt angefordert. Da gibt es eine sehr hohe Wertschätzung“, betont Stubler. Es sei eine Zusammenarbeit, die dafür sorge, dass in den dunkelsten Momenten niemand völlig allein gelassen wird.
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