Distanzierung

Alberschwende benennt Hermann-Gmeiner-Saal um

Vorarlberg
15.07.2026 10:10
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Alberschwende räumt mit einem belasteten Erbe auf: Nach im Vorjahr aufgetauchten Missbrauchsfällen gegen Hermann Gmeiner hat seine Heimatgemeinde nun beschlossen, den nach dem verstorbenen SOS-Kinderdorfgründer benannten Gemeindesaal umzubenennen. Zudem soll eine im Dorfzentrum stehende Büste Gmeiners ins Museum wandern, auch von der Ehrenbürgerschaft distanziert sich die Bregenzerwälder Gemeinde.

Der 1986 verstorbene Hermann Gemeiner hat in zumindest 16 Fällen Kinder sexuell missbraucht. Als die Vorwürfe, die genauestens belegt sind, im Oktober 2025 öffentlich wurden, war in Alberschwende der Schock ganz besonders groß. Dass der berühmteste Sohn der Gemeinde ein Kinderschänder sein soll, wollten viele am Anfang nicht akzeptieren. Durchs Dorf ging ein tiefer Graben: Die einen übten sich in Realitätsverweigerung, die anderen hätten am liebsten das gesamte Andenken des SOS-Kinderdorfgründers über Nacht gelöscht. Stellvertretend für die aufgeheizte Stimmung stand ein Farbanschlag auf eine Büste Gmeiners im Dorfzentrum.

Vom öffentlichen in den musealen Raum
Die Gemeindeverantwortlichen haben in weiterer Folge eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche sich über Monate mit der Frage beschäftigte, wie mit dem Erbe Gmeiners umgegangen werden soll. In einem offenen Prozess wurden Vorschläge erarbeitet, auch Experten für Kinder- und Opferschutz waren eingebunden. Am Montagabend hat die Gemeindevertretung nun – basierend auf den Ergebnissen der Arbeitsgruppe – gleich mehrere entsprechende Beschlüsse gefasst. In Zusammenarbeit mit dem Heimatmuseum Alberschwende sollen Spuren Gmeiners aus dem öffentlichen in den musealen Raum verlegt werden: Der Gemeindesaal wird von Hermann-Gmeiner-Saal in Dorfsaal umbenannt, der alte Schriftzug wurde bereits entfernt. Dieser wandert gemeinsam mit der zwischen Volksschule und Pfarrhaus stehenden Büste und anderen Artefakten zu Gmeiners Ehren vorerst ins Museumsdepot. Der Sockel, auf dem die Büste stand, eine Steinskulptur von Herbert Meusburger, bleibt – gewissermaßen als Mahnmal – an Ort und Stelle. Die Gemeindevertretung distanzierte sich zudem von der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Hermann Gmeiner.

Keine Aberkennung des Geleisteten
Das gesamte Erbe Gmeiners – und schon gar nicht die Institution SOS-Kinderdorf –, will man aber nicht verteufeln: „Die Verlegung der Spuren und die Distanzierung von den Ehrungen sind keine Aberkennung dessen, was im SOS-Kinderdorf Gutes geleistet wurde, und ebenso wenig ein Vergessen der Verdienste jener Personen, die das SOS-Kinderdorf zur damaligen Zeit gegründet haben. Zugleich bleibt bestehen, was nicht hätte geschehen dürfen“, heißt es in der offiziellen Aussendung der Gemeinde.

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