Ein Deutscher (34) hat einen Polizisten am Arm verletzt. Nun musste er sich am Landesgericht Feldkirch wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und schwerer Körperverletzung verantworten. Im Prozess taten sich große seelische Wunden auf.
Alles beginnt an einer Wohnungstür in der Gemeinde Sonntag im Jänner dieses Jahres. Drei Polizisten klingeln – gesucht wird die Mutter eines 34-jährigen Deutschen, der zufällig gerade zu Besuch ist. Der Hüne öffnet nicht die Tür, sondern nur ein Fenster. Auskunft? Fehlanzeige. Ausweis? Verweigert – mit dem Verweis, man befinde sich schließlich im Schengenraum. Die Diskussion ist für den Deutschen damit beendet, er will das Fenster schließen. Doch ein Beamter stemmt sich mit aller Kraft dagegen. In der Enge des Rahmens klemmt sich der Arm des Polizisten ein – eine schwere Gelenksverletzung ist die Folge.
Wegen Depressionen und Burnout im Krankenstand
Monate später, im Gerichtssaal in Feldkirch, zeigt der Deutsche eine ganz andere Seite. Der Angeklagte, aktuell wegen Depressionen und Burnout im Krankenstand, gesteht die Tat vollumfänglich – und lässt dabei tief in seine Seele blicken. Die Familie sei längst zerbrochen, über seine Eltern sagt er nüchtern: „Die fangen mit jedem Streit an.“ Die eigene Mutter habe ihn sein Leben lang kritisiert – ein Umstand, unter dem er schwer gelitten habe. Genau diese jahrelange Last soll in jenem Moment vor der Tür wieder hochgekocht sein. „Als an dem Tag die Polizei, drei Mann hoch, vor der Tür stand und fragte, ob hier meine Mutter wohnt, kam mir ihre Nörgelei in den Sinn, wenn ich die Beamten hereinlasse. Also wollte ich alles richtig machen“, schildert er sein Motiv.
Aber der Polizist hat doch mit Sicherheit vor Schmerz geschrien und gesagt, dass es ihm wehtut.
Staatsanwältin Karin Dragosits zum Angeklagten
Nicht Aggression, sondern die Angst vor dem nächsten mütterlichen Vorwurf habe ihn angetrieben, auch böse Absicht sei keine im Spiel gewesen. Staatsanwältin Karin Dragosits lässt das nicht unwidersprochen und hält ihm die Realität des verletzten Beamten entgegen: „Aber der Polizist hat doch mit Sicherheit vor Schmerz geschrien und gesagt, dass es ihm wehtut.“ Der Angeklagte, sichtlich zerknirscht, findet dafür deutliche Worte: „Ja, es war ein Scheiß.“
Verteidiger sorgt für ein wenig Aufheiterung
Für einen Schmunzler im sonst schweren Prozess sorgt am Ende Verteidiger Martin Kloser mit seinem Plädoyer: „In meiner Laufbahn habe ich schon viele Deutsche vertreten und muss sagen, dass deren Logik für uns Österreicher oft nicht nachvollziehbar ist. Dennoch hoffe ich, dass mein Mandant mit einem milden Urteil davonkommt.“ Die Richterin erhört ihn: Schuldig wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und schwerer Körperverletzung – bei einem Strafrahmen von bis zu drei Jahren fällt die Strafe mit 1920 Euro teilbedingt aber vergleichsweise milde aus. Dem verletzten Polizisten spricht die Frau Rat 500 Euro Schmerzensgeld zu. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.
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