Eine weitere kurzfristige Schließung einer Kinderbetreuungsgruppe in Vorarlberg erhitzt die Gemüter der Sozialdemokraten. Sie sehen sich in ihrer Kritik an der jüngsten Gesetzesnovelle bestätigt und warnen vor den negativen Folgen für Familien und für die Gleichstellung von Frauen.
Die Diskussion um die Verlässlichkeit der Kinderbetreuung in Vorarlberg flammt erneut auf. Anlass ist die kurzfristige Schließung einer Betreuungsgruppe im Oberland. Nach Ansicht der Sozialdemokraten erfolgte dies aufgrund der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen – und zwar ohne ausreichende Vorlaufzeit oder Information für die betroffenen Familien.
Für die SPÖ-Landtagsabgeordnete und Bildungssprecherin Manuela Auer kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Der aktuelle Fall stehe exemplarisch für die Schwächen der neuen Gesetzgebung, vor denen ihre Mitstreiter von Anfang an gewarnt hätten. „Was hier passiert, ist kein Einzelfall, sondern kann künftig jederzeit auch an anderen Standorten passieren!“ Die von der schwarz-blauen Landesregierung versprochene „Flexibilität“ entpuppe sich in der Praxis als herber Verlust an Verlässlichkeit für die Eltern.
Enormer Druck auf Familien und Mütter
Die kurzfristigen Schließungen stellen Familien vor große organisatorische Herausforderungen. Die Last bleibt in der Regel auf den Schultern der Mütter hängen – sie müssen im Ernstfall kurzfristig Arbeitszeiten umstellen, Urlaub nehmen oder improvisierte Betreuungslösungen finden. „Wer aber Frauen im Erwerbsleben halten und Familien entlasten will, muss ein stabiles Netz garantieren, anstatt den Gemeinden gesetzliche Schlupflöcher zu bieten“, meint die rote Bildungssprecherin.
SPÖ-Frauen warnen vor „stillem Rückbau“
Unterstützung erhält Auer von der SPÖ-Landesfrauenvorsitzenden Bea Madlener-Tonetti. Sie spricht bereits von einem „stillen Rückbau“ der Betreuungslandschaft im Land, der sich vermehrt abzeichnet. Viele betroffene Eltern würden sich aus Sorge vor Konsequenzen jedoch nicht trauen, an die Öffentlichkeit zu gehen.
Wirtschaftliche Folgen absehbar
Die Frauenvorsitzende warnt zudem vor den langfristigen finanziellen Konsequenzen für Frauen, wenn die Betreuungsinfrastruktur wegbricht. Da Frauen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit leisten, seien sie es, die bei Betreuungsausfällen ihre Arbeitszeit reduzieren oder ganz im Beruf zurückstecken müssten. Dies verschärfe nicht nur den aktuellen Fachkräftemangel, sondern vertiefe auch die ohnehin schon hohe Rentenlücke (Gender Pension Gap) in Vorarlberg, die derzeit bei rund 47 Prozent liegt.
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