Nirgends ist die Kluft bei den Alterseinkünften zwischen Männern und Frauen so tief wie im Ländle: Zum 14. Juli haben Vorarlbergs Frauen rechnerisch bereits ihre Pension für das gesamte Jahr aufgebraucht. Die dramatische Lücke von 47 Prozent zwingt viele Seniorinnen in die Altersarmut – und schränkt oft auch ihre persönliche Freiheit ein.
Der 14. Juli markiert für Vorarlberg einen traurigen Spitzenplatz im bundesweiten Vergleich: Es ist der „Equal Pension Day“. Ab diesem Kalendertag haben die Frauen im Land im Vergleich zu ihren männlichen Mitbürgern rein rechnerisch bereits keine Alterseinkünfte mehr zur Verfügung. Damit ist Vorarlberg das absolute Schlusslicht in Sachen Pensionsgerechtigkeit. Statistisch gesehen erhalten Frauen hierzulande im Durchschnitt fast die Hälfte – nämlich rund 47 Prozent – weniger Pension als Männer.
Kaputte Waschmaschine bedroht Existenz
Hinter diesen nackten Zahlen verbergen sich unzählige Schicksale von Frauen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, am Ende jedoch vor den Trümmern ihrer finanziellen Existenz stehen. Bea Madlener-Tonetti, Landesfrauenvorsitzende der SPÖ, berichtet aus der Praxis: „Wenn mir eine Vorarlberger Pensionistin erzählt, dass sie zwei Kinder großgezogen, viele Jahre in Teilzeit gearbeitet und später noch ihre pflegebedürftige Mutter betreut hat und heute dennoch bei jedem Einkauf im Supermarkt rechnen muss, ob das Geld reicht, dann ist das kein Einzelfall.“ Viele Betroffene stünden vor dem finanziellen Ruin, sobald unvorhergesehene Kosten anfallen – wie der plötzliche Austausch einer defekten Waschmaschine oder eine unerwartet hohe Stromrechnung.
Auch beim Essen wird gespart
Die Kombination aus ohnehin niedrigen Bezügen, rasant gestiegenen Wohnkosten und der anhaltenden Teuerung trifft ältere Frauen im Ländle besonders hart. Laut Madlener-Tonetti nimmt der Anteil der armutsgefährdeten Frauen spürbar zu. Dabei gehe es längst nicht mehr um vermeintlichen Luxus wie Urlaubsreisen. „Altersarmut bedeutet für manche Frauen in Vorarlberg tatsächlich, beim täglichen Essen zu sparen, in ständiger Angst vor dem Defekt eines Haushaltsgeräts zu leben oder vor der nächsten Mieterhöhung zu zittern“, stellt die Frauenvorsitzende klar.
Finanzielle Abhängigkeit als Gefahr
Ein oft übersehener, aber gravierender Aspekt der mangelnden Absicherung betrifft die persönliche Freiheit und Sicherheit. Die finanzielle Abhängigkeit im Alter birgt laut der SPÖ-Frauenorganisation erhebliche Risiken für von Gewalt betroffene Frauen. „Wer im Alter finanziell nicht auf eigenen Beinen stehen kann, hat oft schlichtweg keine Möglichkeit, sich aus einer gewaltvollen Beziehung zu befreien“, warnt Madlener-Tonetti. Wirtschaftliche Eigenständigkeit sei daher immer auch ein fundamentaler Baustein des aktiven Gewaltschutzes.
Endprodukt einer Kette von Benachteiligungen
Dabei wird betont, dass die Weichen für die Misere nicht erst im Ruhestand gestellt werden. Die massive Pensionslücke ist das Endprodukt einer Kette von strukturellen Benachteiligungen während des gesamten Erwerbslebens. Sie beginnt bei der ungleichen Bezahlung von vornherein, setzt sich bei den oft unfreiwilligen Teilzeitjobs aufgrund mangelnder Kinderbetreuungsangebote fort und verfestigt sich, wenn Frauen für die Pflege von Angehörigen ganz aus dem Beruf ausscheiden.
Neben dem Ausbau der finanziellen Bildung fordert die SPÖ-Politikerin konsequente politische Taten. Um Altersarmut an der Wurzel zu packen, müsse das System grundlegend reformiert werden. Zu den Kernforderungen gehören die Durchsetzung von gleichem Lohn für gleiche Arbeit, der flächendeckende Ausbau leistbarer und ganztägiger Kinderbetreuungseinrichtungen sowie eine deutlich stärkere Unterstützung und bessere pensionsrechtliche Absicherung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten. „Frauen haben ein Leben lang enorme Beiträge für unsere Gesellschaft geleistet. Sie verdienen eine Pension, von der sie am Ende gut, sicher und vor allem selbstbestimmt leben können!“
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