Ebbe im Alpenland

Vorarlberg geht langsam das Wasser aus

Vorarlberg
14.07.2026 18:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Der Bodensee liegt im Hochsommer mehr als einen Meter unter dem langjährigen Schnitt – ein Rekordtief mit Folgen für die Schifffahrt. Doch die Trockenheit trifft Vorarlberg noch härter: Auf den Alpen geht das Futter aus, und die Laufwasserkraftwerke verzeichnen bei der Stromproduktion ein Minus von über 30 Prozent.

Das markanteste Zeichen der Trockenheit liegt im Norden Vorarlbergs: Der Bodensee verzeichnet derzeit einen beispiellosen Wassermangel. Am Pegel in Bregenz weist der Wasserstand aktuell nur noch 315 Zentimeter aus. Damit liegt der See mehr als 110 Zentimeter unter dem für Mitte Juli üblichen Durchschnitt.

Normalerweise führt der Bodensee im Hochsommer seinen jährlichen Höchststand – gespeist durch die Schneeschmelze aus den Bergen. Doch Frau Holle meinte es in der jüngsten Wintersaison nicht besonders gut mit den Skifahrern, die seit dem Frühjahr größtenteils ausbleibenden Regenfälle taten ihr Übriges. Rund um den See sind freigelegte Uferbereiche zu sehen, die ersten Einschränkungen im Schiffsverkehr verdeutlichen den Ernst der Lage.

Gras auf Vorarlbergs Alpen wächst nicht nach
Auf den Berghängen wächst das Gras aufgrund der Trockenheit kaum nach. Die Älpler, die heuer schon etwas früher auf die Alpen gezogen sind, sind bereits jetzt mit den ersten Futterengpässen konfrontiert. Hält die Trockenperiode weiter an, droht vielen Bauern ein vorzeitiger Alpabtrieb. Dies hätte unter anderem auch wirtschaftliche Einbußen bei der Produktion des Alpkäses zur Folge. Vielerorts versiegen zudem die für die Viehversorgung lebensnotwendigen Bergquellen und Bäche.

„Akute Wasserprobleme gibt es derzeit aber glücklicherweise nur auf einzelnen, kleineren Alpen. Dort werden kleinere Mengen an Wasser zugeführt“, berichtet Agrarlandesrat Christian Gantner (ÖVP). Die meisten Älpler hätten – mit Unterstützung des Landes – in den vergangenen Jahren stark in die Wasserversorgung investiert, sodass der aufwendige Transport auf die Alpen kaum ein Thema sei.

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Wasserprobleme gibt es derzeit glücklicherweise nur auf einzelnen, kleineren Alpen. Die meisten Älpler haben stark in die Wasserversorgung investiert.

Landesrat Christian Gantner

Auch auf den Wiesen und Feldern in den unteren Lagen sieht die Lage nicht sehr rosig aus. Einige Flächen sind bereits braun und vertrocknet. Die Landwirte klagen über einen niedrigen Grundwasserspiegel und erste Hitzeschäden an den Pflanzen. Was das Grundwasser betrifft, hat Landesrat Christian Gantner aber eine gute Nachricht: „Der Grundwasservorrat ist so groß, dass wir trotz der Trockenheit keine Probleme mit dem Trinkwasser haben.“

Illwerke erzeugen derzeit weniger Strom
Nicht zuletzt hat die anhaltende Trockenheit auch Auswirkungen auf die Stromerzeugung. Weil in den Flüssen wie dem Rhein, der Ill oder der Bregenzerache viel zu wenig Wasser fließt, erzeugen die dortigen Laufwasserkraftwerke deutlich weniger Strom. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass mehr Energie aus dem Ausland importiert werden muss. „Die Auswirkungen der Trockenheit sind heuer stärker als im vergangenen Jahr, wir hängen gut 30 Prozent bei der Erzeugung zurück“, hat Illwerke-Vorstandschef Christof Germann bereits im Juni bei der Präsentation des Jahresberichts kundgetan. Angesichts der anhaltenden Trockenheit dürfte diese Lücke noch deutlich größer werden. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: In den nächsten Tagen wird zumindest ein wenig Regen fallen.

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