Heilmittelreport

Teure Medikamente, so viele Apotheken wie noch nie

Österreich
15.07.2026 11:33

Mehr Apotheken als je zuvor und neue Medikamente, die bei uns oft deutlich schneller verfügbar sind als in anderen EU-Ländern – Österreich leistet sich eine der dichtesten Medikamentenversorgungen Europas. Das zeigt der erste Heilmittelreport der Sozialversicherung. Doch das hat seinen Preis: Die Ausgaben für Medikamente steigen weiter kräftig an.

Wie steht es um die Versorgung mit Medikamenten hierzulande? Diese Frage beantwortet der erstmals präsentierte Heilmittelreport des Dachverbands der Sozialversicherung: So gibt es mit 2251 Standorten (1444 öffentliche -, 807 Hausapotheken) heute so viele Apotheken wie noch nie. Gerade im ländlichen Raum sollen Hausapotheken die Versorgung absichern.

Auch bei neuen Medikamenten liegt Österreich europaweit weit vorne. 82 Prozent der zwischen 2020 und 2023 in Europa neu zugelassenen Präparate sind hierzulande bereits verfügbar. Damit zählt Österreich laut Report zu den Top drei in Europa. Bis ein neues Medikament nach der Zulassung tatsächlich bei den Patienten ankommt, vergehen im Schnitt 309 Tage – EU-weit dauert das mit 578 Tagen fast doppelt so lange.

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Mit dem Heilmittelreport wollen wir Transparenz schaffen, welche Leistungen die Sozialversicherungen abwickeln.

Peter McDonald, Vorsitzender der DSV

„Österreich gehört zu den Ländern, in denen Medikamente und neue Therapien besonders rasch den Weg zu den Patientinnen und Patienten finden“, sagt Peter McDonald, Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger. Die Versicherten könnten sich „im Bedarfsfall auf Spitzenmedizin und -therapie auf e-card verlassen“.

Kosten stiegen seit 2013 um 88 Prozent
Die Kehrseite der guten Versorgung: Die Kosten steigen weiter kräftig an. 2025 gab die Sozialversicherung bereits 4,9 Milliarden Euro für Medikamente aus – um 7,5 Prozent mehr als im Jahr davor und um 88 Prozent mehr als noch 2013. Die durchschnittlichen Kosten pro Patient stiegen auf 571 Euro jährlich, damit hat Österreich den dritthöchsten Wert im Internationalen Vergleich. Nur die Schweiz und Deutschland haben höhere Pro-Kopf-Medikamentenkosten.

Wer krank ist, braucht Medikamente. „Darauf haben alle in Österreich ein Recht“, meint ...
Wer krank ist, braucht Medikamente. „Darauf haben alle in Österreich ein Recht“, meint Neumayer-Stickler.(Bild: Malena Brenek)

Dabei werden heute sogar weniger Medikamente verschrieben als noch vor zehn Jahren: Die Zahl der Verordnungen sank von rund 122 Millionen im Jahr 2013 auf zuletzt 106 Millionen. Viele günstige Präparate liegen mittlerweile unter der Rezeptgebühr von 7,55 Euro und werden deshalb nicht mehr über die Krankenkassen abgerechnet.

„Unser Erstattungssystem stellt sicher, dass jede versicherte Person die Medikamente bekommt, die sie braucht – unabhängig vom Einkommen oder dem sozioökonomischen Status“, betont die stellvertretende Vorsitzende der Sozialversicherungsträger, Claudia Neumayer-Stickler.

Mehr als drei Viertel der Kosten entfallen auf seltene Medikamente 
Besonders teuer sind allerdings Medikamente ohne Konkurrenzprodukte. Eine Verordnung mit Marktexklusivität kostet im Durchschnitt 86,92 Euro, während Medikamente in einem Markt mit Wettbewerb lediglich auf 16,67 Euro kommen. Mehr als drei Viertel der gesamten EKO-Kosten entfielen zuletzt auf den patentgeschützten Bereich. Der Erstattungskodex (EKO) ist vereinfacht gesagt die Liste jener Medikamente, die von der Krankenkasse bezahlt werden. Auch dieser Kodex feiert einen Rekord: Noch nie wurden so viele Medikamente darin aufgenommen und werden demnach zurückerstattet.

Auch die Zahl jener Patienten, die besonders kostspielige Medikamente benötigen, steigt weiter an. Bereits 1,3 Millionen Österreicher bezogen im Vorjahr Arzneimittel aus dem sogenannten Gelben Bereich des Erstattungskodex – also Medikamente, die häufig besonders teuer sind und nur unter bestimmten Voraussetzungen verschrieben werden.

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