Birgit Zamulo spielte auf zahlreichen Bühnen in Österreich und Deutschland. Sie führte ein bewegtes Leben – mit großen Rollen, großen Lieben und acht Ehen. In „Harold und Maude“ verkörpert die 81-jährige Schauspielerin nun eine lebenshungrige Frau, die einen jungen Mann trifft. Zu sehen ab 23. Juli im Kultur.Park.Traun.
Makaber, berührend und voller Lebenslust: Im Stück „Harold und Maude“ – es ist ab 23. Juli im Kultur.Park.Traun zu sehen – trifft ein junger Mann mit Todessehnsucht auf eine Seniorin, die das Leben in all seinen Facetten feiert. Aus der ungewöhnlichen Begegnung entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte mit Humor, Tiefgang und Herz.
Die alte Dame ist eine maßgeschneiderte Rolle für Birgit Zamulo. Sie hat ein bewegtes Leben geführt – mit großen Rollen, großen Lieben und acht Ehen. Bekannt vom Landestheater Linz, ist sie bis heute heimischer Publikumsliebling – und steht mit 81 Jahren noch immer auf der Bühne. Nach einer Rolle in „My Fair Lady“ bei der Pramtaler Sommeroperette spielt sie die Maude in Traun. Der „Krone“ erzählt sie, was sie bewegt.
„Krone“: Was bedeutet es für Sie, noch immer auf der Bühne zu stehen?
Birgit Zamulo: Das tut mir so gut. Theater ist immer mein Leben gewesen. Es weckt meine Lebensgeister. Danach spiele ich noch ein Jahr im Kellertheater. Das soll man nicht unterschätzen. Komödie ist ganz wichtig, Lachen ist Medizin für die Menschen. Das ganze Jahr über ein oder zwei Vorstellungen zu spielen, tut mir gut. Warum sollte ich mich auf die Couch legen und auf den Tod warten? Der kommt ohnehin.
Was macht die Figur der Maude so besonders?
Sie wird 80 Jahre alt, ist fit und liebt das Leben – so wie ich. Maude ist immer lebensfroh. Ganz anders als der junge Harold, der ständig Todesgedanken hat. Sie bringt ihm bei, zu leben. Ich sehe das so: Er hilft ihr zu sterben, und sie hilft ihm zu leben.
Nicht gerade leichte Kost für ein Sommertheaterstück.
Die Sommertheater-Themen bestehen nicht immer nur aus Lachen, Freude und Frohsinn. Das steckt übrigens auch im Stück. Es ist eine schwarze Komödie, also sehr britisch. Es ist lustig, und die Frau ist eine alte Pippi Langstrumpf: furchtlos, ein wenig kriminell, eine, die über alle Grenzen geht. Das mag ich sehr. Ich selbst habe viele Ängste und hoffe, dass ich von Maude lerne, sie über Bord zu werfen. Sie hindern nur und bringen nichts.
Verraten Sie uns: Was ist Ihre größte Angst?
Ich habe viele Ängste: zu versagen, verlassen zu werden oder dass es meinem Hund schlecht geht. Ich habe hunderttausend Ängste. Man hängt ja doch am schönen Leben. Alles, was einen verunsichert, macht Angst.
Im Stück geht es auch um die Liebe. Sie haben selbst viel erlebt – Sie waren achtmal verheiratet.
Ja, das erscheint mir heute selbst völlig abstrakt. Aber ich habe mich immer mit Haut und Haaren in die Liebe gestürzt. Ich wollte alles: den Kindertraum vom Prinzen, der kommt und mit dem man für immer glücklich bleibt. Wenn der Traum jedoch geplatzt ist, habe ich nie begriffen, dass man danach an einer Beziehung weiterarbeiten muss. Das habe ich nie geschafft. Darum bin ich heute allein. Aber ich nehme das an. Das ist in Ordnung.
Warum hält sich der Traum vom Prinzen so hartnäckig?
Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der es hieß, eine Frau brauche einen Mann an ihrer Seite, um überhaupt jemand zu sein. Ich habe Bestätigung immer über Männer gesucht. Später habe ich erkannt, dass man Liebe nur in sich selbst finden kann. Man darf die Bestätigung nicht von anderen erwarten, sondern muss sie in sich selbst suchen. Aber das ist ein langer Prozess.
Sind Sie mit Ihrem Leben zufrieden?
Ja, sehr. Und vor allem bin ich dankbar.
Warum soll ich das Stück „Harold und Maude“ anschauen?
Es ist ein Juwel. Es zeigt, was Liebe alles bewirken kann: dass Liebe Menschen intensiver leben lässt, dass sie hilft, alle Schwierigkeiten zu überwinden und die eigenen Probleme hinter sich zu lassen. Es vermittelt, dass man mutig sein sollte, Grenzen überschreiten kann und die Welt mit neuen Augen sieht. Genau das macht dieses Stück so besonders.
Infos: „Harold und Maude“, Eine schillernd-schwarze Komödie von Collin Higgins, Premiere am 23. Juli, Kultur.Park.Traun, Regie: Heidelinde Leutgöb.
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