Florentina Holzinger

„Bodensee Étude“: Nackte Körper und schweres Gerät

Kultur
12.07.2026 10:49
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die spektakuläre Performance der Biennale-Teilnehmerin Florentina Holzinger lieferte nackte Körper, schweres Gerät und Stuntarbeit bei ihrer  „Bodensee Étude“. In den Bregenzer Seeanlagen sorgte die Aktion für großen Andrang.

Der Bodensee, dessen Bedingungen als launenhaft bekannt sind, erwies sich am Samstag in den Bregenzer Seeanlagen als williger Mitspieler in Florentina Holzingers „Bodensee Étude“. Dabei fuhr die Künstlerin sowohl visuell als auch akustisch in ihrem eigens für das Kunsthaus Bregenz (KUB) entwickeltem „Bergungszenario“ auf, was man so in Bregenz bisher noch nicht gesehen hat.

Furore bei der Biennale
Holzinger und ihr Team sorgen im Österreich-Pavillon der Kunstbiennale Venedig derzeit für Furore. Dass der Hype bis nach Bregenz geschwappt ist, zeigte sich am Samstagabend auch am dortigen Molo: Für die Plätze auf den Sunset Stufen für das One Time-Event herrschte bei freiem Eintritt und ohne Reservierungsmöglichkeit schon lange vor Beginn großer Andrang. Bei über 1.500 Personen musste das KUB aufgrund behördlicher Auflagen das Molo schließen, mindestens noch einmal so viele Interessierte verfolgten das Geschehen aus der Ferne.

Helikopter und Glockenbergung 
Das angekündigte „Bergungszenario“, gedacht als Ausuferung und in die freie Natur erweiterter Satellit des Biennale-Beitrags, lieferte dann viele der Elemente, für die die 1986 geborene Künstlerin, Tänzerin und Choreografin inzwischen bekannt ist: nackte Körper, schweres Gerät und Stuntarbeit. Ein Helikopter pendelt mit einer am Seil hängenden Glocke per Rundflug die „Bodensee Étude“ ein und lässt sie in den See stürzen. Schlagzeugerinnen, vom Dirigat einer Performerin eingepeitscht, liefern dazu eine zu einem Tosen anwachsende Akustik.

Performerinnen, per Schwimmkran an einem Metallring kopfüber wie Unterwasserwesen aus dem See gehoben, beginnen ein Luftballett zu sphärischen Elektronikklängen, das das Auftauchen der Glocke beschwört. Holzinger selbst lässt mit ihrem in der Glocke schwingenden Körper diese erklingen. Ein Donnerblech, das sie mit ihrem Körper bearbeitet, verbindet sich mit den Trommelklängen und dem Wind zu einem grollenden Seegewitter, das vielleicht an die vom Menschen in die Krise geratene Ökologie des Sees gemahnt.

Inspiriert von See-Mythen
Dass sich ein Seil zunächst nicht wie vorgesehen löste, tat der Performance keinen Abbruch, handelte es sich doch bei der Komposition aus Körpern, Maschinerie, Wasser und Akustik bezeichnenderweise um eine „Étude“, also eine Übung. Inspiriert war die Performance in ihrem Narrativ von Sagen und Mythen um den Bodensee. Man wolle eine eigene Legende schaffen, hatte Holzinger im Vorfeld angekündigt. Mit der mit großem Schlussapplaus endenden „Bodensee Étude“ dürfte das wohl gelungen sein.

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