
Stellen wir uns vor, die Bundesregierung ermuntert uns, das eigene Haus oder die eigene Wohnung thermisch zu sanieren, und bietet dafür folgende Unterstützung an: Wer 100.000 Euro investiert, erhält eine Förderung von 110.000 Euro. Ja, genau: Man verdient dabei noch Geld. Sie meinen, das sei eine Schnapsidee und unsere Regierung würde so etwas niemals machen? Vermutlich haben Sie recht.
Doch Italiens Regierung hat genau das für ihre Bürger getan. Mit dem italienischen Superbonus konnte man Förderungen von bis zu 110 Prozent kassieren. Den italienischen Staatshaushalt belastete diese Maßnahme kaum. Denn die schlauen Italiener haben das Geld aus der EU-Kasse genommen, also insbesondere von uns Nettozahlern.
Aufgedeckt wurde das vom EU-Rechnungshof. Dort hat man erneut die Verwendung der Mittel aus dem rund 750 Milliarden schweren EU-Corona-Wiederaufbaufonds geprüft. Stolze 43 Milliarden wurden für Wohnbausanierungen bereitgestellt. Davon sicherte sich allein Italien 14 Milliarden, verteilte sie großzügig an die eigenen Bürger und kurbelte damit die Wirtschaft kräftig an.
Kritisieren wir dafür nicht die Italiener, sondern unsere Staatsspitze: Warum kommt niemand auf eine solche Idee? De facto hat unsere Regierung den Sanierungsbonus im Februar gestoppt und zahlreiche Förderungen von bis zu 70 Prozent auf maximal 30 Prozent gekürzt. Heute wissen wir: Besonders nachhaltig war das wohl nicht.
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