Der heftig diskutierte Österreich-Beitrag der Kunst-Biennale in Venedig ist eröffnet. Der Publikumsandrang war riesengroß. Einer spektakulären Performance in Venedigs Laguna als Vorspiel zur Eröffnung (siehe Video unten) folgte der Aufreger im Hof des Österreich-Pavillons.
Das Wetter spielte perfekt mit: Es regnete stark, zu Mittag, zur Eröffnung des Österreich-Pavillons, den Florentina Holzinger gemeinsam mit der Kuratorin Nora-Swantje Almes in die „Seaworld Venice“ verwandelt hat.
„Eine Menge Schirme, wie bei einem Begräbnis. Ich liebe Begräbnisse“, so die Performerin in ihrer Ansprache. Dabei war sie erst am Morgen quasi aus Venedigs Meer geboren worden. Bei einer aufsehenerregenden „Étude“ als Vorspiel zur Eröffnung, wurde sie zu lauter Musik in einer Glocke hängend aus dem Wasser gezogen.
Die spektakuläre Performance in Venedigs Lagune als Vorspiel zur Eröffnung:
Ein Akt, der als offizieller Startschuss vor vielen Hunderten Gästen, die vor den Hoffmann-Pavillon geströmt waren, seine Fortsetzung fand: Wie schon bei der Generalprobe kletterte Holzinger in die riesige Glocke vor dem Pavillon, um als menschlicher Klöppel zu schlagen.
So wird auch in den nächsten Monaten zum Performancebeginn, aber auch als Mahnung der verrinnenden Zeit geläutet.
Denn so Holzinger: Wie die natürliche Reinigung der Lagune durch das steigende und sinkende Wasser der Gezeiten, so funktioniert auch die Wasserwelt und ihr nachgestellter Reinigungskreislauf im Pavillon. Gemeint als Besinnen auf die Natur, die durch den Mensch gefährdet ist. Die eindrucksvolle Installation führt die Dualismen von Reinheit und Verschmutzung performativ vor.
Holzinger setzt dazu ihr genuines Vokabular, ihre einprägsame Bildkraft, aber auch ihren speziellen Humor und vor allem ihre amazonengleichen, nackten Akteurinnen gekonnt ein. Im linken Pavillon-Flügel pflügt eine davon auf einem Jetski durchs schäumende Wasserbecken – sinnfälliges Bild für den durch maßlose Geldgier verursachten ökologischen Wahnsinn.
Dem steht im Becken gegenüber eine mit Frauenkörpern belebte Wetterfahne entgegen, die das Dach durchdringt und einen Aufbruch aus festgefahrenen Systemen anzeigt.
Im Hof dann der Aufreger, der sich als höchst saubere Angelegenheit erweist. Ein Becken mit Taucherinnen flankiert von zwei Mobilklos.
Die Besucher sind aufgefordert, sich zu erleichtern, um mit ihrem gereinigten Urin das Becken zu befüllen und den Wasserkreislauf zu erhalten. Man kennt das von jeder Kläranlage, deren Abwässer wieder in Gewässer eingespeist werden.
Der Mensch im Clinch mit der Technik ist Thema in den beiden Windfängen: einmal als braune Brühe spuckende, kaputte Kläranlage (siehe Bild oben), einmal als von unheimlichen Roboterhunden bedrängte Venus.
Das Zeug zum Biennale-Hit?
Glaubt man Ansturm und Echo bei der Eröffnung und vergleicht man mit anderen Länder-Beiträgen, hat der österreichische das Zeug zum Biennale-Hit. Aber auf jeden Fall bietet er – so Holzinger – die „saubersten Klos in den Giardini“!
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