Durch die Einflussnahme des amerikanischen Präsidenten auf die Weltmeisterschaft hat der Fußballsport gelitten, bemerkt „Krone“-Autor Harald Petermichl in seiner neuesten Kolumne. Es ist zu hoffen, dass der Schaden in Zukunft nicht noch größer wird.
„Entscheidend is‘ auf‘m Platz“Charles M. Schulz hat am 4. Juli 1995 in einem seiner unendlich vielen großartigen „Peanuts“-Comics etwas vorweggenommen, was heute traurige FIFA-Realität geworden ist: Charlie Brown wird von seiner kleinen Schwester Sally vom Fernseher weggeholt und an die Haustür geschickt, weil dort das von ihm angehimmelte kleine rothaarige Mädchen stünde und nach ihm gefragt habe. Wenig überraschend stimmt das nicht, was Sally mit „April Fool“, also „April, April“ erklärt, um anschließend Charlie Browns erzürnten Einwand „This is July Fourth“ lapidar mit „Whatever“ abzutun. Fast genau auf den Tag 31 Jahre später, am 5. Juli 2026, nimmt der belgische Nationalcoach Rudi Garcia mit dem Satz „Ich wusste nicht, dass für die FIFA der 5. Juli eigentlich der 1. April ist“ die Rolle von Charlie Brown ein. Könnte fast lustig sein, ist es aber mitnichten.
Denn es ging um eine fernmündliche Intervention Trumps bei Infantino und die darauffolgende Entscheidung der FIFA, dem nach einer Roten Karte gesperrten US-Stürmer Folarin Balogun bar jeder Vernunft die Spielberechtigung für das Achtelfinale zu erteilen und die in Stein gemeißelte übliche Sperre für mindestens ein Spiel zur Bewährung auszusetzen. Der gelbe Schütterschädl im Weißen Haus fand es natürlich großartig, dass sein freundliches Nachfragen bei seinem Spezl Gianni Erfolg hatte, zumal er Schiedsrichter Raphael Claus ohnehin als „ein bisschen suspekt, wenn man sich seine Vergangenheit anschaut“ einschätzt. Vermutlich hatte es der erfahrene brasilianische Referee verabsäumt, im Vorfeld des Turniers Herrn Bolsonaro angemessen zu huldigen.
Zum Glück haben die Roten Teufel das Ganze frei nach Adi Preißler („Entscheidend is‘ auf‘m Platz“) sportlich gelöst und so der beabsichtigten Wettbewerbsverzerrung einen Catenaccio vorgeschoben. Das Thema ist damit aber nicht erledigt und die Büchse der Pandora bleibt geöffnet. Da hilft auch das mehr als peinliche Entrüstungs-Statement der UEFA nichts, denn ihre Repräsentanten tragen eine erhebliche Mitschuld an diesem Skandal. Mit Ausnahme der norwegischen Verbandspräsidentin Lise Klaveness halten sie seit Jahren den Mund, wenn Infantino neue dreiste Taschenspielertricks auspackt und ermutigen ihn damit, immer weiter auszutesten, ob es nicht doch irgendwo eine rote Linie gibt. Und so sind Trump und Infantino zwar die Hauptakteure in dieser Groteske, aber Ceferin, Neuendorf und Konsorten haben einen erklecklichen Beitrag dazu geleistet, die einstmals „schönste Nebensache der Welt“ auf Dauer zu zerstören.
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