Ein Lebenszeichen

Grabher setzt ein starkes Zeichen für die Oper

Vorarlberg
11.07.2026 18:54
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Mit einer ungewöhnlich gekürzten, musikalisch jedoch umso überzeugenderen Fassung von Mozarts „Così fan tutte“ begeistert die Camerata Musica Reno im Theater Kosmos. Tobias Grabher beweist, dass auch abseits der Bregenzer Festspiele Oper auf höchstem Niveau möglich ist – und setzt damit ein wichtiges Signal für die zunehmend ausgedünnte Opernlandschaft in Vorarlberg.

Tobias Grabher sorgt seit einigen Jahren mit den Konzerten seiner Camerata Musica Reno für frischen Wind in der Musiklandschaft Vorarlbergs. Zum zweiten Mal wagt er nun sich mit einer unkonventionellen Annäherung an das Genre Oper. Das ist umso mehr zu begrüßen, da Opernaufführungen außerhalb der Bregenzer Festspiele im Ländle stillschweigend verschwinden. So gibt es die beliebte Opernsaison am Kornmarkt im Februar derzeit nicht. Und wie man hört, kann das Musiktheater Götzis aus finanziellen Gründen nur mehr alle zwei Jahre spielen.

Elan, Spielfreude und höchster Professionalität 
Ob der ambitionierte Dirigent Tobias Grabher diese Lücke wirklich füllen kann? Auf der musikalischen Seite sicher, denn was man am Freitagabend bei der Premiere an Elan, Spielfreude und höchster Professionalität erlebt hat, war erstaunlich. Umso mehr, da zwischen den Sängerinnen und Sängern einerseits und dem Dirigenten und dem Orchester andererseits wenig Blickkontakt möglich war, denn die Sänger standen vor den Musikern. Doch danke einer gerade wundersamen Einfühlsamkeit gab es ein fantastisches gemeinsames Musizieren, wo die Sänger Zeit zum Atmen und für so manches Rubato hatten – so großartig wie selten zu erleben.

Diese fünf Sänger haben es sich auch verdient, auf Händen getragen zu werden, denn jede und jeder ist auf ihre bzw. seine Art fantastisch. Ob der zynische Drahtzieher dieser immer beklemmender verlaufenden Wette um einen Partnertausch namens Don Alfonso, gegeben von Clemens Seewald, der feurige Guglielmo von Tobias Lusser, der gefühlvolle Ferrando von Andrew Turner oder die so flexible Laura Hemmingway als Dorabella.

Extreme Sopranhöhen und dunkle Tiefen
Eine Klasse für sich ist Ekatarina Spivakovskaia als Fiordiligi. Wie diese junge Sankt Petersburgerin den emotionalen Regungen in Mozarts Musik nachspürt, wie sie mühelos von den extremen Sopranhöhen und dunklen Tiefen wechselt und wie ihre Koloraturen perlen: Das kann man anders, aber nicht besser machen. Wer das Werk kennt, wird jetzt die Rolle der Despina vermissen. Genau, denn diese gab es hier nicht. Sie wurde ebenso eingespart wie ein Chor, sämtliche Secco-Rezitative und die zweite Arie der Dorabella.

Dafür hat Sabine Lorenz freie Texte gesprochen und damit einige, aber nicht alle Brüche gemildert – man hätte von ihr sehr gerne mehr gehört. Die Führung der Personen hatte Eli Eisenmann inne, die sich mehr hätte einfallen lassen können. Vor allem am Ende bleiben viele Fragen offen, etwa die, wer nun zu wem gehört? Somit gelang eine Aufführung, die begeisterte, da auch die Musik der inhaltlichen Tiefe des Werkes gerecht wurde. Am Sonntag noch einmal im Theater Kosmos um 19 Uhr. 

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