Schneiders Brille

Anpacken auf Götzner Art

Vorarlberg
12.07.2026 14:45
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Wo früher unkomplizierte Nachbarschaftshilfe gereicht hätte, regieren heute Bürokratie und die Angst vor der Haftung – eine Entwicklung, die Schriftsteller und Autor Robert Schneider in seiner jüngsten Kolumne zu einer bitteren Frage veranlasst: Ist das die neue Mentalität in Götzis?

Ein junges holländisches Paar verirrte sich mit seinem Toyota-Kleinwagen nach Meschach. Kurvige, enge Bergstraße. Eine Herausforderung für die Urlauber aus dem flachen Land der Tulpen und Windmühlen. Beim Wenden in einer spitzen Kurve saß der Wagen auf. Nichts ging mehr. Weder vor noch zurück. Die Straße komplett blockiert.

Jeder Einheimische kennt diese tückische Kurve und weiß, dass man dort sein Auto nicht wenden kann, auch wenn es danach aussieht. Die Kurve ist eine Falle. Regelmäßig verkeilt sich da wer, der nicht ortskundig ist. Aber mit etwas Hauruck und freundschaftlicher Hilfe von hinzukommenden Passanten konnte bisher immer geholfen werden. Unkompliziert. Einfach anpacken.

Robert Schneider publizierte bisher sechs Romane und veröffentlicht regelmäßig autobiografisch ...
Robert Schneider publizierte bisher sechs Romane und veröffentlicht regelmäßig autobiografisch gefärbte Beobachtungen in der „Krone“.(Bild: Mathis Fotografie)

Jetzt nicht mehr. Ich wurde Zeuge. Da ich direkt an dieser Spitzkehre wohne, holte ich einen Wagenheber und ein Schalungsbrett zur Unterlage für die Hinterreifen. Vis-à-vis waren just drei Gemeindearbeiter zugange, die dürstenden Veilchen am Wegkreuz zu gießen. Drei Kerle wie Bäume. Fein, dachte ich. Wir zeigen unseren Gästen, dass wir Götzner hilfsbereite Menschen sind.

Es gelang mir partout nicht, die drei Veilchen-Gießer vom Werkstoffhof Götzis zu überreden, mit ein paar Haurucks die verzagten Holländer aus ihrer Misere zu befreien. Alle Bitten waren vergebens. Stattdessen steckten die Gemeindemitarbeiter die Hände in die Taschen und faselten was von Haftbarmachung. Einer rief schließlich die Feuerwehr. 

Die kam dann auch. Nach einer Dreiviertelstunde. Stau auf der Meschacher Straße: zwei große Löschfahrzeuge, ein kleineres Feuerwehrfahrzeug und natürlich die Polizei. Chaos und Aufwand überschlugen sich. Mit ein paar spontanen Handgriffen wäre die Sache erledigt gewesen. Was ist das für eine Gesinnung, nicht zu helfen, wenn man ausdrücklich darum bittet? Ist das das neue Anpacken in Götzis?

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