Ach, übrigens...

Einfach mal die Klappe halten

Vorarlberg
05.07.2026 09:25

„Wer ständig seinen Senf dazu gibt, gerät in den Verdacht, ein Würstchen zu sein!“ Dazu neigt auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz. Der aktuellste Beweis? Sein X-Posting nach dem deutschen Ausscheiden bei der WM gegen Paraguay. Klar, dass sich „Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl das etwas genauer angesehen hat.

Obwohl das von einem verhaltensauffälligen Multimilliardär betriebene soziale Netzwerk mit dem Unicode-Zeichen „U+1D54F“ (mathematischer Großbuchstabe X mit Doppelstrich) im Logo dafür bekannt ist, im großen Stil rechtsextreme Parolen, antisemitische Ungeheuerlichkeiten und verschwörungstheoretisches Geblubber zu verbreiten, treibt sich auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz oder genauer gesagt dessen Social Media Team ausgiebig auf dieser Plattform herum. Weil der Hochsauerländer sich dortselbst immer besonders volksnah zu geben versucht, musste auch unmittelbar nach dem Abpfiff des WM-Matches Deutschland vs. Paraguay der Nation gaaanz dringend etwas mitgeteilt werden. Und so rieben sich deutsche Fußballfans verwundert die Augen, als sie des Kanzlers gewohnt fachmännische Einschätzung der DFBlamage lesen mussten.

Ungläubiges Staunen
Es geschah nicht am helllichten Tag, sondern in der Nacht von Montag auf Dienstag, als der Kanzler mitteilen ließ: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Nicht wenige werden sich im Morgengrauen gefragt haben, ob Merz noch Herr seiner Sinne ist oder ob ihm im Eifer des Gefechts einfach nur ein Fernbedienungs-Lapsus unterlaufen war, er statt ARD versehentlich den Privatsender „Sauerland TV“ gewählt hatte und gebannt einer Aufzeichnung des Krachers FC Bruchhausen-Elleringhausen vs. SG Reiste/Wenholthausen gefolgt war. Das hätte so manches erklärt, aber wie häufig im Leben ist die Sache nicht so einfach, sondern noch viel einfacher.

Wie man im Ruhrgebiet sagt
Denn wie das Bundeskanzleramt mittlerweile verlautbart hat, war das Ganze „ein Versehen“, ein Fehler „eines jungen Mitarbeiters“, der aus dem Sortiment vorbereiteter Textlein den am allerwenigsten passenden erkoren und in die Welt gesendet hatte, weshalb man rasch die heroische Meldung „Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott“ nachschob. Ob damit der bemitleidenswerte Prometheus gemeint ist, dessen Leber täglich von einem Adler vertilgt wird, die zum Glück immer wieder nachwächst, weil Hepatozyten sich bekanntlich schnell regenerieren, oder doch das DFB-Team, wäre vielleicht eine Klärung wert, ist letztlich aber nicht entscheidend. Viel wichtiger wäre es, und das gilt nicht nur für Merz, sondern ganz allgemein, nicht ständig zu allem seine Meinung kundzutun, ohne zuvor nachgedacht zu haben. Oder wie man im Ruhrgebiet sagen würde: Einfach mal die Klappe halten.

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