Aus, Schluss, vorbei! Der Drops ist gelutscht, die Entscheidung gefallen. Der Titelverteidiger hat wieder zugeschlagen. Die Rede ist in dem Fall allerdings nicht von jenem Turnier, das aktuell in Nordamerika gespielt wird. Sondern von einem etwas kleineren Event, den sich „Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl für die neueste Ausgabe seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ etwas genauer angesehen hat.
Allen Unkenrufen zum Trotz kommt ganz allmählich doch so etwas wie Struktur in das sommerliche XXL-Fußballprogramm, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich der Titelverteidiger nicht auf irgendwelchen Lorbeeren ausgeruht hat. Denn „Archivio Calcio“, das Team des Vatikanischen Apostolischen Archivs, hat seinen Erfolg vom Vorjahr eindrucksvoll wiederholt und am letzten Spieltag mit einem klaren 4:0 gegen den direkten Verfolger „Dirseco“, die Mannschaft des Supermarktes, erneut die vatikanische Meisterschaft errungen. Nicht einmal der als bester Keeper der Saison ausgezeichnete Gianluca Chichi vermochte das Unheil für die Einzelhändler zu verhindern. Bereits im Vorjahr war gegen die Dokumentenbewahrer kein Heilkraut gewachsen, als sie die Saison mit einem 7:2 gegen die Salbenzubereiter von „Farmacia Calcio“ erfolgreich beendeten.
Die Rapidler des Vatikans
„Dirseco“, mit acht Titeln Rekordmeister der 1972 gegründeten Liga mit dem schönen Namen „Attività Calcistica Dipendenti Vaticani“ (ACDV), wird also aufpassen müssen, um nicht in absehbarer Zeit von den Archivaren überflügelt zu werden. Diese hatten gleich am ersten Spieltag ein starkes Zeichen gesetzt, als sie mit einem souveränen 5:0 gegen FC Guardia (Schweizergarde) an die Tabellenspitze stürmten. Offenbar waren die eidgenössischen Gardisten (verständlicherweise) völlig damit überfordert, die Defensivarbeit ausnahmsweise ohne ihre liebgewonnenen Hellebarden leisten zu müssen, aber Reglement ist nun mal Reglement. Auch „Dirseco“ hatte gleich in der ersten Runde seine Ambitionen auf eine Spitzenplatzierung untermauert und ein veritables Offensiv-Spektakel gegen die Vertretung der Basilica S. Giovanni mit 7:4 Toren für sich entschieden.
Vergebung vor dem Strafsenat
Und weil die römisch-katholische Kirche bekanntlich immer für einen Akt der Vergebung gut ist, hat unmittelbar nach Beendigung der Meisterschaft die vatikanische Sportjustiz getagt und in einem von Sportrichter Fabio Fadda und dem Präsidenten Nicola Vignola unterzeichneten Beschluss festgehalten, dass alle noch offenen Verwarnungen der Spieler aus den Konten der gemeldeten Mannschaften gelöscht werden, damit in der nächsten Saison alle Teams mit blütenweißen Westen an den Start gehen können. Fast noch besser: Weil Gianni Infantino glücklicherweise nicht auch noch Papst ist (Johannes XXIV), konnte die gesamte Meisterschaft ohne lästigen Pomp über die Bühne gehen, weshalb sich nicht einmal der „Osservatore Romano“ bemüßigt gefühlt hat, irgendwas vom großartigsten Ereignis aller Zeiten zu blubbern. Gut dem Dinge.
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