„Krone“-Kommentar

Burschenschafter im Parlament

Kolumnen
11.07.2026 10:23

Nun hat Nationalratspräsident Walter Rosenkranz also Roland Weinert, den bisherigen Leiter der Präsidialsektion im – übrigens ÖVP-geführten – Wirtschaftsministerium, zum neuen Parlamentsdirektor bestellt.

EINERSEITS heißt es von den drei Regierungsparteien und den Grünen sowie den meisten Medien, es sei skandalös, dass der Burschenschafter Rosenkranz nun mit Weinert auch einen Burschenschafter zum höchsten Beamten der Volksvertretung ernennt.

ANDERERSEITS wurde Weinert gesetzeskonform ausgewählt, unter Begleitung derselben externen Personal-Beratungsfirma, die bereits 2012 mit der Bestellung seines von Nationalratspräsidentin Prammer erwählten SPÖ-nahen Vorgängers Harald Dossi befasst war. Dabei wurde Roland Weinert völlig unabhängig von der Tatsache, dass er Burschenschafter und FPÖ-Mitglied ist, als „im höchsten Maße geeignet“ bezeichnet. Was angesichts seiner beruflichen Biografie und seiner Qualifikationen wenig verwunderlich ist.

Verwunderlich ist hingegen, dass sogar die als seriös geltende Tageszeitung „Die Presse“ schlagzeilt: „Burschenschafter führen Hohes Haus“. Kaum vorstellbar wäre es nämlich – gleich, in welchem Medium – zu lesen: „CVler führen Hohes Haus“ oder „Freimaurer führen Hohes Haus“. Offenbar kann man nicht akzeptieren, dass die stärkste Partei des Landes eben auch über kompetente Persönlichkeiten aus den viel geschmähten Burschenschaften verfügt.

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