Vor mehr als 50 Jahren „baute“ Michael Landon als Charles Ingalls mit seiner Familie „Unsere kleine Farm“ und schrieb Fernsehgeschichte. Netflix nimmt sich dem alten Gemäuer nun an und gibt ihm einen mehr oder weniger zeitgemäßen Anstrich...
Noch bevor Michael Landon vom Himmel herabstieg, um als „Engel auf Erden“ zu wandeln, schlüpfte er Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in die Rolle des gottesfürchtigen Vorzeigepatriarchen Charles Ingalls, der mit seiner Familie „Unsere kleine Farm“ bewohnte und nachhaltig über mehrere Generationen das romantische Bild einer großen glücklichen Familie, Gemeinschaft und des expandierenden Wilden Westens prägte. Ein romantisches Bild, das nicht zuletzt auf der autobiografischen Buchserie von Laura Ingalls Wilder – die sich weltweit über 73 Millionen Mal verkaufte – beruht. Bereits die Originalserie musste etwas Distanz zur literarischen Vorlage wahren, war sie in ihrer Erzählweise doch schon etwas unzeitgemäß und rassistisch.
In mehr als 50 Jahre hat sich die Geschichte zwar nicht geändert, allerdings die Art und Weise wie wir erzählen. Und so lassen Vater Charles (Luke Bracey) Mutter Caroline (Crosby Fitzgerald) und die Töchter Mary (Skywalker Hughes) und Laura (Alice Halsey) – basierend auf Ingalls drittem Buch – Wisconsin hinter sich, um einen Neustart in Kansas zu wagen, wo sie – wie schon damals – mit allen Widrigkeiten des Wilden Westens zu kämpfen haben. Diesmal zumindest mit der Anerkennung, dass das Land, das sie und viele andere Siedler für sich beanspruchen, nicht ihres, sondern jenes der Osage ist. Neben der indigenen Sichtweise auf die damalige Situation, die diesmal eine zentrale Rolle einnimmt, finden in der Neuauflage auch schwarze Siedler endlich ihren Platz. Mädchen und Frauen dürfen starke Charaktere sein, doch die restliche Wild-West-Lagerfeuerromantik bleibt weitgehend beim Altbewährten.
Längst überfällig
Während in der Neuauflage der Kultserie, ausgerechnet im 250-Jahr-Jubiläum der Vereinigten Staaten, vor allem Trump-Anhänger pure Blasphemie orten, ist die 2026er-Version von „Unsere kleine Farm“ nur eines: längst überfällig. Sie hätte mit dem Original-Stoff und dem Umgang der Siedler mit indigenen Völkern, ruhig härter ins Gericht gehen können. Aber es wollte sich wohl niemand am Lagerfeuer die Finger verbrennen
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