Sie überlebte Polio

Letzte Frau in Eiserner Lunge starb mit 78 Jahren

Ausland
11.07.2026 19:49
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die letzte Person, die zum Atmen auf die Eiserne Lunge angewiesen war, ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Der Tod von Martha Lillard markiert wahrscheinlich das Ende einer Medizintechnik, die in den Jahren vor der Einführung der Polio-Impfung zum Symbol der Krankheit geworden war.

Mit der US-Amerikanerin Lillard ist die letzte bekannte Polio-Überlebende gestorben, die zum Atmen auf eine sogenannte Eiserne Lunge angewiesen war. Die an Kinderlähmung erkrankte Frau starb nach Berichten mehrerer US-Medien bereits Ende Juni im Alter von 78 Jahren in Oklahoma.

Lillard hatte sich 1953 im Alter von fünf Jahren mit Polio infiziert – zwei Jahre bevor in den USA der erste Impfstoff gegen die Krankheit eingeführt wurde. Die Infektion lähmte große Teile ihres Körpers und schädigte ihre Atemmuskulatur dauerhaft. Nach Angaben ihrer Familie auf einer GoFundMe-Seite blieb Lillard trotz ihrer schweren gesundheitlichen Einschränkungen selbstständig und kreativ. Sie malte, schrieb Gedichte und komponierte Musik am Klavier.

Seit der Corona-Pandemie war Lillard rund um die Uhr auf die Eiserne Lunge angewiesen
Seit der Corona-Pandemie war Lillard rund um die Uhr auf die Eiserne Lunge angewiesen(Bild: AP/Cindy McVey)

Veraltete Technik, schwierige Wartung
Während andere Polio-Überlebende jedoch später auf moderne Beatmungsgeräte umsteigen konnten, blieb Lillard auf die Eiserne Lunge angewiesen. Sie habe zwar verschiedene Alternativen ausprobiert, doch keines habe ihr die nötige Unterstützung beim Atmen geboten, sagte sie noch wenige Tage vor ihrem Tod dem Lokalsender KFOR.

Zuletzt habe sich ihr Gesundheitszustand zunehmend verschlechtert, berichtete die Schwester der Verstorbenen, auch infolge von Langzeitauswirkungen zweier Covid-19-Infektionen. Gleichzeitig sei die Wartung der Jahrzehnte alten Eisernen Lunge, auf die Lillard den Berichten zufolge zuletzt rund um die Uhr angewiesen war, immer schwieriger geworden. Ersatzteile aus den 1940er-Jahren seien kaum noch zu beschaffen gewesen, zudem habe sich niemand mehr gefunden, der das Gerät reparieren konnte, zitierte KFOR die Schwester.

Ende einer medizinischen Ära
Erst im März 2024 war mit Paul Alexander ein weiterer bekannter Nutzer des historischen Beatmungsgeräts im Alter von 78 Jahren gestorben, der mehr als 70 Jahre damit gelebt hatte.

Die Eiserne Lunge ist ein großer Metallzylinder, der Patienten mit Hilfe von Druckveränderungen beim Atmen unterstützt. Das Gerät wurde vor Einführung wirksamer Polio-Impfstoffe in den 1950er-Jahren ein Symbol für den Kampf gegen die Krankheit.

Polio ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die vor allem bei Kleinkindern dauerhafte Lähmungen hervorrufen und zum Tod führen kann. Verbreitet wird das Virus oft über verunreinigtes Wasser. Eine Heilung gibt es bisher nicht.

Aufgrund engagierter Impfkampagnen in den vergangenen Jahrzehnten gilt Polio seit Jahren als weltweit nahezu ausgerottet. Dadurch konnten bis heute rund 20 Millionen Menschen vor einer Lähmung und eineinhalb Millionen vor dem Tod bewahrt werden, wie es bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heißt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung