Landsfrau besiegt

Noskova krönt ihr Wimbledon-Märchen und holt Titel

Tennis
11.07.2026 19:36
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Erstes Grand-Slam-Finale, erster Titel: Linda Noskova hat am Samstag das Finale von Wimbledon für sich entschieden. Die 21-Jährige behielt im ersten rein tschechischen Grand-Slam-Finalduell mit der um acht Jahre älteren Karolina Muchova mit 6:2,5:7,6:3 die Oberhand und wurde zur jüngsten Siegerin im All England Tennis Club seit der Tschechin Petra Kvitova im Jahr 2011. In der Weltrangliste wird die zwölftplatzierte Noskova am Montag als Siebente so gut wie nie zuvor dastehen.

Zum dritten Mal in den jüngsten vier Jahren ging der Titel an eine Tschechin, nachdem zuvor Marketa Vondrousova (2023) und Barbora Krejcikova (2024) erfolgreich gewesen waren. Für Noskova, die im zweiten Satz eine 5:2-Führung und fünf Matchbälle vergab, war es erst der dritte Turniersieg ihrer Karriere, der zweite auf Rasen nach dem Erfolg in Berlin im Juni. Ihren ersten Sieg hatte sie 2024 in Monterrey auf Hartplatz und ebenfalls auf WTA500-Ebene gefeiert. „Es fühlt sich unglaublich an“, sagte Noskova im Siegerinnen-Interview auf dem Center Court.

Noskova wird zwei Wochen „nie vergessen“
„Wir sind Freundinnen und haben Geschichte geschrieben. Ich bin froh, mit dir hier am Platz gestanden zu sein, ich glaube, dass alle tschechischen Fans zu Hause stolz auf uns sein werden“, ergänzte Noskova. Die vergangenen zwei Wochen werde sie nie vergessen. „Die Matches waren so hart, physisch und mental“, sagte Noskova, die neben ihrem Vater auch ihrer verstorbenen Mutter unter Tränen dankte. Angesprochen auf ihre Schwächephase im zweiten Satz erklärte sie: „Es ist nie einfach, den letzten Punkt zu machen.“

Die Ranglistenneunte Muchova, die Ende Juni in Bad Homburg trotz einer Gräser-Allergie auf Rasen ihren dritten Turniersieg eingefahren hatte, kassierte wie im Paris-Endspiel 2023 eine Niederlage. Als kommende Sechste ist ihr im Ranking ebenfalls ein Karriere-Hoch sicher. Darüber wird sie sich aber erst in ein paar Tagen freuen können. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagte Muchova, die ihre Landsfrau als „verdiente“ Siegerin und scherzhaft als „Ex-Freundin“ bezeichnete. „Ich hoffe, dass ich noch einmal die Chance bekomme, hier um die Trophäe zu spielen.“ Auch sie kämpfte beim Interview immer wieder mit den Tränen.

Noskova startete stark
Noskova fand besser in die Partie und war in der Folge vorerst in allen Belangen besser. Ihren zweiten Breakball verwertete sie zum 3:1, mit einem weiteren Break beendete sie den ersten Satz nach 31 Minuten. Das gelang in einem Marathon-Game nach zuvor vier vergebenen Satzbällen dank eines sehenswerten Lobs. Im zweiten Satz hielt Muchova mehr dagegen, da vergab sie beim Stand von 1:1 und 15:40 auch ihre ersten drei Breakbälle. Noskova hingegen nutzte ihre erste Chance, um auf 4:2 davonzuziehen.

(Bild: AP/Kin Cheung)

  Ein zweites Break blieb aus, da Noskova bei 5:2 drei Matchbälle ausließ, den letzten wehrte Muchova mit einem Stopp nach einem Netzroller ab. Das wirkte sich auf das Spiel aus, brachte noch einmal Spannung rein, da Muchova den Schwung mitnehmen konnte. In einem packenden Game wehrte sie einen vierten Matchball aufgrund eines Doppelfehlers ihrer Gegnerin ab und stellte selbst nach sechs zuvor vergebenen Breakbällen auf 4:5. Da behielt sie bei einem weiteren Matchball die Nerven und stellte auf 5:5.

Noskova stand immer wieder schlecht zum Ball, servierte nicht mehr so gut und geriet wegen einer leicht verschlagenen Vorhand mit 5:6 in Rückstand. Muchova fixierte gleich mit ihrem ersten Satzball nach 1:43 Stunden das 7:5. Noskova verließ kurz den Platz, auch um den Schwung Muchovas zu bremsen. Das gelang, da sie nach der Abwehr von drei Breakchancen vorlegen konnte. Gleich darauf nahm sie ihrer Landsfrau mit der ersten Chance den Aufschlag ab. Diesen Vorteil gab sie, im ersten Finalduell zweier Spielerinnen aus einem Land nach den US-Amerikanerinnen Serena und Venus Williams 2009, diesmal nicht mehr aus der Hand.

(Bild: AFP/KIRILL KUDRYAVTSEV)

Sieg nach sechstem Matchball perfekt
Ihren sechsten Matchball nutzte sie nach 2:28 Stunden mit dem Aufschlag-Winner. Damit gelang ihr auch die Revanche für eine Niederlage in der 3. US-Open-Runde 2025 im zuvor einzigen Aufeinandertreffen mit ihrer Olympia-Doppel-Partnerin. Mit 21 Jahren und 236 Tagen durfte sie, die in der 3. Runde gegen Sorana Cirstea einen Matchball abgewehrt hatte, den Pokal in die Höhe stemmen. Kvitova war 2011 mit 21 Jahren und 116 Tagen etwas jünger.

Den Doppeltitel bei den Männern sicherte sich das topgesetzte finnisch-britische Duo Henry Patten/Harri Heliovaara mit einem 7:6(4),7:6(3)-Erfolg gegen Marcelo Arevalo/Mate Pavic (ESA/CRO). Es war ihr dritter Triumph bei einem Major-Event, der zweite in Wimbledon. In der gesamten Partie gab es keinen Breakball.

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