„Krone“-Kolumne

Ein Herz für die Künstliche Intelligenz

Kolumnen
09.07.2026 06:45

Hübsch, lieb, eigentlich ganz harmlos wirkt diese Tilly Norwood, die Hollywood gerade das Fürchten lehrt. Sie ist die erste KI-Schauspielerin, die eine Hauptrolle bekommen soll. Und die Traumfabrik sorgt sich vor einem Albtraum, in dem menschliche Darsteller aufs Abstellgleis geschoben werden.

Ein genauer Blick auf Tillys Instagram-Account zeigt allerdings, dass etwas nicht stimmt: Die Haut ist zu wächsern, das Lächeln zu fest gefroren – und ihre Augen sind keine „Pforte zum Herzen, dem Ort, an dem die Liebe wohnt“, wie es Audrey Hepburn so schön ausdrückte. Wie denn auch, wenn es kein Herz gibt . . .

Das fehlende Herz ist eine der häufigsten Kritiken an künstlich generierter Kunst. Doch das muss gar nicht so sein. In der bildenden Kunst ist KI längst zu einem Werkzeug für neue kreative Visionen geworden – so wie einst Fotografie oder Video. Und auch auf KI-Musik-Plattformen finden sich nicht einfach nur in wenigen Sekunden ausgespuckte Allerweltslieder, sondern ebenso zutiefst bewegende Songs. Texte ukrainischer Soldaten z. B., die sie dank KI in Musik fassen konnten. Traurige, wütende, stolze Songs. Voller Herz, Verwundbarkeit und tiefer Gefühle.

Die KI ermöglicht auch weniger Begabten, Kunst und Musik zum Ausdrucksmittel ihrer Seelen zu machen. „Große“ Kunst mag das vielleicht nicht immer sein, und doch berührt sie. Weil hinter der KI eben das menschliche Herz den Ton angibt.  

Aus einer Tilly allerdings wird nie eine Audrey Hepburn werden.

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