Große Töne kamen von der Stadt Wien zu Jahresbeginn zur Wiederbelebung von Schloss Neugebäude: Haufenweise Interessenten hätten auf das Simmeringer Baujuwel als Veranstaltungsort Lust, hieß es. Doch statt Resultaten gab es bald nur noch Ausflüchte. Dafür gibt es eigentlich nur zwei mögliche Erklärungen.
Einen Schnitzer wie das Debakel mit dem vormaligen Betreiberverein für das Simmeringer Schloss Neugebäude – verschwundene Gelder und Pleite trotz hoher Förderungen, die „Krone“ berichtete – wollte sich Wien eindeutig nicht noch einmal erlauben: Anfang des Jahres hatte das Rathaus verkündet, dass die Suche nach neuen Betreibern nach allen Regeln der Vergabekunst und unter der Ägide von Wirtschaftsanwälten geschehen würde. Doch der Weg des Schlosses führte vom Regen in die Traufe.
Zuerst große Versprechen, dann eine Verzögerung nach der anderen
Anfangs sah alles nach einem zielstrebigen Weg zum (Zitat) „primären Ziel einer kulturellen Bespielung für die Öffentlichkeit“ aus: Per „unverbindlicher Markterkundung“ konnten sich Interessenten vorerst ohne die strengen Vorgaben einer offiziellen Ausschreibung ein Bild vom Schloss und möglichen Konzepten machen. Das hatte auch eine „zweistellige Zahl“ möglicher Bewerber angezogen, berichtete die zuständige MA 34 (Bau- und Gebäudemanagement) danach noch stolz. Dann begannen die Probleme.
Die Ausschreibung startete Anfang März und hätte am 23. des Monats enden sollen. Schließlich drängte die Zeit, denn die Stadt versprach der Bevölkerung einen neuen Betreiber mit Pachtvertrag für fünfeinhalb Jahre, der dem Schloss ab Sommer neues Leben einhauchen sollte. Am 23. März verkündete die Stadt aber: nichts. Erst auf Nachfrage der „Krone“ erklärte die MA 34, die Frist sei „infolge einlangender Bieteranfragen“ – in einer Ausschreibung nichts wirklich Überraschendes – bis 30. März verlängert worden.
Unendliche „finale Phase“?
Am 30. März geschah: abermals nichts. Und wieder fragte die „Krone“ nach. Doch nicht einmal die Zahl eingegangener Bewerbungen wollte die MA 34 unter Berufung auf „Wettbewerbsgründe“ preisgeben und erklärte den Neustart für das Schloss nunmehr quasi zur Privatsache: „Zum gegebenen Zeitpunkt“ werde man informieren. Nach mehrmaliger Nachfrage der „Krone“ hieß es schließlich Anfang Juni, man befinde sich „in der finalen Phase“. Fragen über die Gründe für die Verzögerung wurden dabei ignoriert.
Umso rätselhafter ist das Verbummeln des Neustarts für das Schloss, weil die „Krone“ erfuhr, dass schon vor Wochen aus 14 Bewerbern bereits ein künftiger Betreiber ausgewählt wurde. Dass noch nicht darüber informiert wurde deutet auf Verfahrensprobleme hin – oder dass das Erbe des Debakels mit dem vormaligen Betreiberverein doch schwerer wiegt als bisher bekannt. Leidtragende sind jedenfalls die Simmeringer und andere Fans des Areals, denen laue Abende im Schloss schon ab 1. Juli versprochen waren. Sie verlieren wohl eine ganze Saison. Mindestens.
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