Zahlreiche besorgte Leser melden sich bei der „Krone“-Tierecke, weil die Grannen der Mäusegerste in Wiens Grünflächen für schmerzhafte Verletzungen bei Haustieren sorgen. Die zuständige Magistratsabteilung erklärt, warum dem Problem nicht Herr zu werden ist.
Grannen, im Volksmund „Schliafhansl“ genannt, wirken auf den ersten Blick harmlos. Die borstenartigen Samenstände der Mäusegerste sind jedoch mit winzigen Widerhaken versehen, die sich im Fell von Haustieren festsetzen und sich Stück für Stück ins Gewebe bohren können.
Betroffen sind vor allem Pfoten, Zwischenzehenräume, Ohren und Augen von Hund und Katze. In schweren Fällen gelangen die Grannen bis tief unter die Haut oder in Körperöffnungen und lösen dort schmerzhafte Entzündungen aus. Unbehandelt können sich daraus Abszesse bilden, die einen operativen Eingriff notwendig machen.
Tierhalter schlagen Alarm
Die „Krone“-Tierecke erreichen aktuell zahlreiche besorgte Zuschriften, weil es in Wien kaum ein Entkommen vor den Grannen gibt. Eine Hundehalterin schildert die Situation im Liebhartstal in Ottakring als kaum noch tragbar. Ihre Dackelhündin sei trotz größter Sorgfalt bereits massiv betroffen gewesen und musste beim Tierarzt behandelt werden – siehe Foto oben.
Auch andere Tierhalter berichten von wiederholten Meldungen an die zuständige Magistratsabteilung der Stadt Wien, etwa über die Plattform „Sags Wien“, ohne dass sich an der Situation etwas geändert habe. Kritisiert wird auch, dass gemähtes Gras oft liegen bleibt, trocknet und dadurch zusätzlich zur Gefahr wird.
Bei diesen Anzeichen bitte zum Tierarzt:
Antwort der Stadt Wien
Die Redaktion hat die geschilderten Fälle zum Anlass genommen und bei den Wiener Stadtgärten (MA 42) nachgefragt. Aus der Stellungnahme geht hervor, dass eine vollständige Entfernung der Mäusegerste im städtischen Raum nicht möglich ist.
Was das Problem verstärkt
Steigende Temperaturen und zusätzliche Nährstoffe, etwa durch Hundekot, fördern die Ausbreitung der Mäusegerste. Da die Samenbildung stark von der Temperatur abhängt, lässt sich das Wachstum kaum über Pflegemaßnahmen steuern. Die Wiener Stadtgärten betreuen rund neun Millionen Quadratmeter Rasen und Wiesenflächen, weshalb flächendeckende Maßnahmen nach eigenen Angaben nur sehr eingeschränkt möglich sind.
Die Behörden setzen verstärkt auf Information und Eigenverantwortung. Das Thema ist etwa Teil des verpflichtenden Sachkundenachweises für Hundehalter in Wien. Veterinärmediziner raten zu gründlichen Kontrollen nach jedem Spaziergang.
Fazit „Krone“-Tierecke
Am wirksamsten bleibt die Aufmerksamkeit der Tierhalter selbst. Nach jedem Spaziergang sollten Pfoten, Achseln, Ohren und Augen sorgfältig abgesucht werden. Bei Tieren mit langem Fell kann auch das Kürzen der Innenbehaarung sinnvoll sein. Anzeichen wie Humpeln, Kopfschütteln oder Augentränen sollten rasch tierärztlich abgeklärt werden. Unter der Haut wandern die Widerhaken nur in eine Richtung. Eingedrungene Grannen keinesfalls selbstständig entfernen, sie gelangen dadurch nur noch tiefer ins Gewebe.
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