Die NATO-Staaten haben vor dem Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump in der Türkei Rüstungsaufträge im Wert von Dutzenden Milliarden Dollar angekündigt. Generalsekretär Mark Rutte stellte am Dienstag bei einem Forum der Rüstungsindustrie in Ankara eine Reihe von Initiativen vor.
Die Botschaft ist klar: NATO wird unabhängiger von den USA. Trumps Forderungen nach höheren Verteidigungsausgaben wird nachgekommen. Ob das reicht, um die USA unter der aktuellen Regierung zu befrieden, bleibt abzuwarten. Rutte will es jedenfalls versuchen: „Wir können mehr erreichen, wenn wir es gemeinsam tun. Und wir müssen mehr tun.“
Die NATO-Partner schließen sich laut Rutte neuen multinationalen Beschaffungskoalitionen an. Dies helfe dabei, mehr der benötigten militärischen Fähigkeiten zu erlangen. Der Niederländer kündigte zudem an, im Hinblick auf Luftraumüberwachung auf US-Flugzeuge verzichten zu wollen. Auch hier forderten die USA mehr Eigeninitiative.
Mega-Auftrag für deutsches Unternehmen
Der deutsche Rüstungskonzern TKMS darf sich im NATO-Kaufrausch als einer der Gewinner sehen. Das Unternehmen zog einen der weltweit größten U-Boot-Aufträge aus Kanada an Land. Die Regierung in Ottawa will bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD bei dem Kieler Unternehmen bestellen, wie der kanadische Ministerpräsident Mark Carney vor seiner Abreise zum NATO-Gipfel am Montag mitteilte.
Für TKMS ist dies der größte Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte, der den Auftragsbestand um mehr als 50 Prozent erhöht. Mit dem Vorhaben entsteht eine trilaterale U-Boot-Flotte von Kanada, Deutschland und Norwegen, die künftig bis zu 24 Boote umfassen soll. Das erste U-Boot soll bis 2033 an die kanadische Marine ausgeliefert werden.
Die U-Boote wurden für die extremen Bedingungen in der Arktis und im Nordatlantik sowie für die warmen Gewässer des Pazifiks konzipiert.
USA und Europa vereinbaren Raketenproduktion
Weitere Vereinbarungen, die im Vorfeld des NATO-Gipfels weitgehend geheim gehalten worden waren, sehen unter anderem den Kauf von Überwachungsdrohnen des US-Konzerns Northrop Grumman durch europäische Staaten sowie den Erwerb von Flugzeugen des schwedischen Herstellers Saab durch die NATO vor.
Die USA führen darüber hinaus Gespräche mit Deutschland und anderen Nationen über eine gemeinsame Produktion von Raketen in Europa, die für die Verteidigung der Ukraine dringend benötigt werden.
Die Niederlande kündigten Verteidigungsprojekte im Volumen von mehr als drei Milliarden Euro an. Dazu gehörten Partnerschaften mit Belgien bei der Luftverteidigung und mit Großbritannien bei Marineschiffen.
Hintergrund ist die wachsende Besorgnis in Washington über die Kapazitäten der US-Waffenhersteller, da sowohl der Konflikt mit dem Iran als auch die Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg die US-Bestände dezimiert haben.
Milliarden-Spritze für Drohnenabwehr
Rutte erklärte zudem, die NATO-Verbündeten wollten in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar (35,04 Mrd. Euro) in die Drohnenabwehr investieren. Bis 2027 sollen fünfmal so viele Soldaten für den Einsatz von Drohnen ausgebildet werden.
„Drohnen haben (...) den Charakter der modernen Kriegsführung grundlegend verändert und sind zu einem entscheidenden Faktor auf dem Schlachtfeld geworden“, erklärte Rutte zu der Initiative mit dem Namen „Drone Edge“. Das sehe man in der Ukraine, im Nahen Osten, aber auch im Bündnisgebiet.
Trump wird am Dienstagabend zu einem Abendessen in Ankara erwartet, das den Auftakt des Gipfels bildet, und soll dort auch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zusammentreffen. Trump veröffentlichte vor seiner Ankunft auf seiner Online-Plattform Truth Social ein Video, in dem er erneut forderte, dass Europa mehr für seine eigene Verteidigung tun und mehr finanzielle Mittel aufwenden müsse.
Rutte verwies darauf, dass die europäischen NATO-Mitglieder und Kanada im Jahr 2025 real 90 Milliarden Dollar mehr für Verteidigung ausgegeben haben als im Vorjahr, was einer Steigerung von rund 20 Prozent auf insgesamt mehr als 570 Milliarden Dollar entspricht.
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